Greencore-Verwaltungsratschef kauft Aktien nahe Pandemie-Tiefstand
Leslie Van de Walle investiert 243.625 Pfund in Greencore-Aktien – ein klares Kaufsignal nach starkem Kursrückgang.

Der Verwaltungsratsvorsitzende von Greencore, Leslie Van de Walle, hat 125.000 Aktien des britischen Convenience-Food-Herstellers zu je 195 Pence erworben. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 243.625 Pfund. Der Kauf erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bewertung des Unternehmens sich nahe den Tiefstständen der Covid-19-Pandemie bewegt – ein deutliches Signal, dass der Verwaltungsratschef eine Kaufgelegenheit erkannt hat.
Hintergrund des Kursrückgangs ist die Übernahme des Konkurrenten Bakkavor, eines weiteren Convenience-Food-Produzenten. Die Zwischenergebnisse von Greencore Ende Mai zeigten, dass transaktionsbedingte Kosten aus dieser Übernahme die Gruppe in die Verlustzone vor Steuern gedrückt haben. Die Reaktion des Marktes war heftig: Der Kurs brach um fast 10 Prozent ein.
Kursrückgang von einem Drittel seit Februar
Der Ausverkauf markierte den vorläufigen Tiefpunkt eines breiteren Abwärtstrends. Seit dem Höchststand von 306 Pence pro Aktie im Februar ist die Marktkapitalisierung des weltweit größten Sandwich-Herstellers um etwa ein Drittel gesunken. Das Unternehmen befindet sich mitten im Integrationsprozess der Bakkavor-Neuzugänge, was Anleger verunsichert hat.
Analysten der Investmentbank Berenberg bezeichneten die Marktreaktion auf die jüngsten Zahlen der FTSE-250-Gruppe jedoch nachträglich als „unfair". Zwar habe der ausgewiesene Verlust die Anleger beunruhigt, doch sei dieser bis zu einem gewissen Grad bereits erwartet worden. Bei genauerer Betrachtung der Detailzahlen bestehe wohl weniger Grund zur Sorge: Sowohl im Kerngeschäft von Greencore als auch bei Bakkavor konnten Verbesserungen beim zugrunde liegenden Gewinn erzielt werden.
Konzernchef Dalton Philips erklärte gegenüber Investors' Chronicle: „Was den Verlust betrifft, so sehen die Anleger unserer Erfahrung nach darüber hinweg, da er bereits im Vorfeld angekündigt wurde." Das Management bekräftigte zudem seine Erwartungen für ein bereinigtes Betriebsergebnis zwischen 227 Millionen und 241 Millionen Pfund für das Jahr 2026.
Synergiepotenzial aus der Bakkavor-Übernahme
Berenberg verwies darüber hinaus auf Umsatzsynergien infolge des Deals, die nach Einschätzung der Analysten von den Märkten bislang „übersehen" wurden. Besonders hervorgehoben wurde der starke Start des Managements bei der Umsetzung des Ziels, über drei Jahre hinweg Einsparungen in Höhe von 80 Millionen Pfund zu erzielen.
Ein wesentlicher Hebel dabei ist der Abbau doppelter zentraler Gemeinkosten, die fast die Hälfte der angestrebten 80 Millionen Pfund ausmachen. Durch diesen Schritt könnte Greencore die Kostenvorteile früher als ursprünglich erwartet realisieren – ein Aspekt, der für langfristig orientierte Anleger von Bedeutung sein dürfte.
Der Aktienkauf von Verwaltungsratschef Van de Walle zu 195 Pence je Aktie ist vor diesem Hintergrund ein klassisches Directors'-Dealings-Signal: Insider, die das Unternehmen aus nächster Nähe kennen, setzen eigenes Kapital ein, wenn sie die Bewertung für attraktiv halten. Für deutsche Privatanleger, die britische Nebenwerte im Blick haben, liefert dieser Schritt einen beachtenswerten Hinweis auf die Einschätzung des Managements zur aktuellen Lage von Greencore.
