Goldman Sachs unter Druck: Epstein-Verbindung der Chefjuristin
Die Chefjuristin von Goldman Sachs, Kathryn Ruemmler, gerät wegen ihrer Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zunehmend unter Druck. Neue Dokumente enthüllen das wahre Ausmaß der Beziehung.

Die renommierte US-Investmentbank Goldman Sachs steht vor einem heiklen Personalproblem: Kathryn Ruemmler, die 54-jährige Chefjuristin und enge Beraterin von CEO David Solomon, soll die Bank möglicherweise noch in diesem Jahr verlassen. Grund sind neue Enthüllungen über ihre Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Offenlegung bei Einstellung unvollständig
Als Ruemmler 2020 von der renommierten Washingtoner Kanzlei Latham & Watkins zu Goldman Sachs wechselte, informierte sie die Bankführung zwar über geschäftliche Kontakte zu Epstein. Doch das wahre Ausmaß der Beziehung wurde erst durch die Veröffentlichung von Dokumenten aus Epsteins Nachlass bekannt. Die Unterlagen zeigen, dass Ruemmler Epstein dutzende Male traf und über Jahre hinweg freundschaftliche E-Mails mit ihm austauschte.
Besonders brisant: Ruemmler war im Gerichtssaal anwesend, als Epstein 2019 wegen Sexhandels angeklagt wurde. Noch am 18. Januar 2019 führte Epstein sie in seinem Testament als eine der Testamentsvollstreckerinnen auf – ihren Namen strich er erst vor seinem Tod am 10. August 2019 im Gefängnis.
Eventualplan für würdevollen Abgang
Nach Informationen aus Bankenkreisen soll John Rogers, der einflussreiche Goldman-Manager, der Ruemmler zur Bank holte, bereits einen Eventualplan ausarbeiten. Dieser sehe vor, Ruemmler noch in diesem Jahr einen möglichst würdevollen Abgang zu ermöglichen, der von den Epstein-Enthüllungen distanziert werden könne. Rogers dementierte diese Berichte allerdings als "völlig unwahr".
Reputationsrisiko für Goldman Sachs
Für Goldman Sachs kommt die Affäre zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Bank hat in der Vergangenheit bereits mit Compliance-Problemen zu kämpfen gehabt, etwa im Zusammenhang mit dem malaysischen 1MDB-Skandal. Die Position der Chefjuristin ist eine der wichtigsten in jeder Investmentbank – sie ist verantwortlich für rechtliche Risikobewertung und Compliance.
Ruemmler galt vor ihrem Wechsel zu Goldman Sachs als eine der angesehensten Wirtschaftsanwältinnen in Washington. Sie arbeitete zuvor auch als Rechtsberaterin im Weißen Haus unter Präsident Barack Obama. Die aktuellen Enthüllungen werfen nun Fragen über das Auswahlverfahren und die Due-Diligence-Prüfungen bei Goldman Sachs auf.
