Gold steigt um über 1%: Schwacher Dollar und sinkende Renditen stützen
Der Goldpreis legt im asiatischen Handel um 1,1 Prozent zu, gestützt durch einen schwächeren US-Dollar und fallende Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen.

Die Goldpreise sind im asiatischen Handel am Freitag gestiegen. Ein schwächerer US-Dollar und fallende Renditen bei Staatsanleihen erhöhten die Attraktivität des Edelmetalls, während Anleger die anhaltenden Inflationsrisiken durch höhere Ölpreise abwägten.
Spot-Gold legte bis 22:40 Uhr ET (02:40 Uhr GMT) um 1,1 Prozent auf 4.177,83 US-Dollar pro Unze zu. Die US-Gold-Futures stiegen ebenfalls um 1,1 Prozent auf 4.203,40 US-Dollar. Die Erholung erfolgte vor dem Hintergrund eines volatileren Umfelds an den Finanzmärkten.
Die Rallye des Dollars hielt inne, wodurch Gold für Inhaber anderer Währungen günstiger wurde. Zugleich sank die Benchmark-Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe zum zweiten Mal in Folge. Beide Entwicklungen gelten traditionell als stützend für das Edelmetall.
Die Details
Für die Kursgewinne waren zwei unmittelbare Treiber ausschlaggebend: der pausierende Dollar und die nachgebenden Anleiherenditen. Ein schwächerer Dollar macht in Dollar notierte Rohstoffe wie Gold für internationale Käufer billiger und stützt damit die Nachfrage. Sinkende Renditen senken zugleich die Attraktivität festverzinslicher Anlagen im Vergleich zum zinslosen Gold.
Gegenläufig wirkten die Ölpreise. Steigende Ölpreise verschärften die Befürchtungen, dass Versorgungsengpässe im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt die Inflation ankurbeln könnten. In der Folge könnten die Zentralbanken dazu veranlasst werden, die Zinssätze beizubehalten oder sogar anzuheben. Brent-Rohöl kletterte angesichts von Sorgen über Versorgungsunterbrechungen im Nahen Osten über 104 US-Dollar pro Barrel.
Der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, Alberto Musalem, sagte am Donnerstag, dass weitere geldpolitische Verschärfungen erforderlich seien, um die Inflation innerhalb eines angemessenen Zeitraums wieder auf das Ziel der Zentralbank von 2 Prozent zurückzuführen. Er erklärte, die Zinssätze könnten in den nächsten sechs bis neun Monaten weiter steigen. Ob er eine Erhöhung bei der Sitzung der Fed vom 27. bis 28. Oktober unterstützen würde, ließ er offen.
Laut dem CME FedWatch-Tool kalkulierten Händler mit einer Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent für eine Zinserhöhung im Oktober sowie einer Chance von 82 Prozent für eine Anhebung im Dezember. Höhere Zinssätze üben tendenziell Druck auf Gold aus, das keine Verzinsung bietet, indem sie die Opportunitätskosten des Haltens von Barren erhöhen.
Unter den anderen Edelmetallen stieg Silber um 1,7 Prozent auf 60,19 US-Dollar pro Unze. Platin gewann 2,1 Prozent auf 1.678,15 US-Dollar pro Unze.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Bewegungen sind Teil eines seit Monaten schwankungsanfälligen Umfelds. Bereits am 06.03.2026 berichtete aktien.news, dass der Goldpreis am Freitag im asiatischen Handel um 0,8 Prozent auf 5.119,56 US-Dollar pro Unze zulegte, während die Gold-Futures um 0,3 Prozent auf 5.128,81 Dollar stiegen. Auf Wochensicht drohte dem Edelmetall dennoch ein Minus von mehr als 3 Prozent. Hauptbelastungsfaktoren waren ein fester US-Dollar sowie steigende Renditen von Staatsanleihen; der US-Dollar-Index gab am Freitag zwar leicht um 0,3 Prozent nach, war aber auf Kurs für ein wöchentliches Plus von 1,5 Prozent.
Am 13.02.2026 hatte sich der Goldpreis im asiatischen Handel stabilisiert und um 0,5 Prozent auf 4.953,58 US-Dollar pro Unze zugelegt, nachdem er in der vorherigen Handelssitzung um mehr als 3 Prozent eingebrochen war und wichtige Unterstützungsmarken durchbrochen hatte. Damals standen zunehmende geopolitische Spannungen und die Erwartung wichtiger US-Inflationsdaten im Fokus. Silber gewann seinerzeit 1,6 Prozent auf 76,49 US-Dollar pro Unze, nachdem es am Vortag rund 10 Prozent verloren hatte; Platin kletterte wieder über die Marke von 2.000 US-Dollar pro Unze.
Am 22.09.2026 stiegen die Goldpreise und machten den stärksten Tagesverlust seit einer Woche wett. Ausschlaggebend war ein deutlicher Rückgang der Ölpreise, der die Inflationsängste spürbar dämpfte; hinzu kamen ein schwächerer US-Dollar und neue diplomatische Signale aus Washington in Richtung Iran. Um 21:04 Uhr Eastern Time (01:04 Uhr GMT) legte die Feinunze Gold um 0,4 Prozent auf 4.359,40 US-Dollar zu, die Gold-Futures stiegen um 0,3 Prozent auf 4.396,85 US-Dollar. Silber kletterte um 0,6 Prozent auf 66,43 US-Dollar, Platin gewann 0,3 Prozent auf 1.809,03 US-Dollar.
Nur wenige Tage später drehte das Bild: Am 26.09.2026 fiel der Goldpreis auf das Niveau des Vortages zurück und notierte so niedrig wie zuletzt vor einer Woche. Am Donnerstagmorgen in New York stand Gold im Spotmarkt 0,4 Prozent tiefer bei 4.271,16 US-Dollar pro Unze, nachdem es zuvor seinen Tiefststand seit dem 16. September berührt hatte. Die US-Gold-Futures für die Lieferung im Dezember verloren 0,3 Prozent und schlossen bei 4.306 US-Dollar. Drei Faktoren lasteten damals auf dem Edelmetall: steigende Ölpreise, ein stärkerer US-Dollar und die Erwartung eines eher restriktiven Kurses der Federal Reserve.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger zeigt sich an diesen Zahlen ein Muster: Gold reagiert kurzfristig stark auf Dollar und Zinserwartungen, weniger auf seine traditionelle Rolle als Inflationsschutz. Höhere Energiekosten könnten den Inflationsdruck länger aufrechterhalten und die Erwartungen an eine restriktivere Geldpolitik verstärken, was das Aufwärtspotenzial von Gold trotz seiner traditionellen Rolle als Inflationsschutz begrenzt.
Stützend könnten dagegen die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken und Bedenken hinsichtlich der hohen Staatsverschuldung wirken. Analysten verwiesen zudem auf die Erwartung, dass die chinesische Zentralbank ihre Goldreserven weiter aufstocken wird, was als potenzieller Nachfragemotor gesehen wird. Wer in Euro rechnet, sollte zusätzlich die Dollar-Bewegung im Blick behalten, da ein schwächerer Dollar Gold für Inhaber anderer Währungen günstiger macht.
Ausblick
Der nächste wichtige Termin ist die Sitzung der Federal Reserve vom 27. bis 28. Oktober. Musalem äußerte sich nicht dazu, ob er eine Erhöhung dort unterstützen würde, stellte aber weitere Zinserhöhungen in den nächsten sechs bis neun Monaten in Aussicht. Die Marktteilnehmer preisen laut CME FedWatch derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent für eine Zinserhöhung im Oktober und von 82 Prozent für eine Anhebung im Dezember ein.
Beobachten dürften Anleger zudem die Ölpreise, die ein wichtiges Risiko für Gold bleiben. Brent-Rohöl notierte über 104 US-Dollar pro Barrel. Hinzu kommt die erwartete weitere Aufstockung der Goldreserven durch die chinesische Zentralbank, die als potenzieller Nachfragemotor gilt.
Kurz erklärt
- Spot-Gold: Der Preis für eine sofortige Lieferung des Edelmetalls, der im außerbörslichen Handel fortlaufend notiert wird.
- Opportunitätskosten: Der entgangene Nutzen einer alternativen Anlage, hier die Zinsen, die mit festverzinslichen Papieren statt mit Gold erzielt werden könnten.
- CME FedWatch-Tool: Ein Marktinstrument, das aus Terminkontrakten die Wahrscheinlichkeit künftiger Zinsentscheidungen der Federal Reserve ableitet.
- Benchmark-Rendite: Die Rendite einer richtungsweisenden Staatsanleihe, an der sich andere Zinssätze orientieren.
