Indiens Goldnachfrage bricht bei steigenden Preisen ein
Preissensible indische Käufer pausieren, während China nach der Goldenen Woche langsam wieder erwacht.

Die Goldnachfrage in Indien hat sich in dieser Woche spürbar abgeschwächt. Grund dafür ist der erneute Preisanstieg nach einem kurzen Rückgang in der Vorwoche. Gleichzeitig blieb der Handel in China, dem weltweit größten Goldkonsumenten, nach den Feiertagen der „Goldenen Woche" verhalten.
Die inländischen Goldpreise in Indien notierten am Freitag bei rund 150.900 Rupien pro 10 Gramm. In der Vorwoche waren sie noch auf 145.538 Rupien gefallen – den niedrigsten Stand seit fast zwei Monaten. Dieser Preisrückgang hatte kurzzeitig Hoffnung auf eine belebte Nachfrage geweckt, doch die Erholung der Preise ließ Käufer erneut zögern.
„Die Verbraucher sind äußerst preissensibel. Sobald die Preise steigen, drücken sie die Pausentaste und warten auf eine Korrektur", beschrieb ein Juwelier aus Ahmedabad die Stimmung am Markt. Diese Zurückhaltung spiegelt ein Muster wider, das sich in Indien seit Monaten beobachten lässt: Käufer reagieren hochsensibel auf Preisbewegungen und verschieben Käufe konsequent, sobald das Preisniveau steigt.
Die Details
Händler riefen in dieser Woche einen Abschlag von bis zu 6 US-Dollar pro Unze gegenüber den offiziellen Inlandspreisen auf – inklusive der Einfuhrabgaben von 15 Prozent und der Verkaufssteuern von 3 Prozent. In der Vorwoche hatte dieser Abschlag noch bei bis zu 14 US-Dollar gelegen. Die Verringerung des Abschlags ist ein klares Signal dafür, dass die Importmengen zurückgegangen sind und das Überangebot am Markt nachgelassen hat.
„Die Goldabschläge haben sich verringert, da die Importe zurückgegangen sind. Sollte die Investmentnachfrage während der Festspielsaison anziehen, wie es im letzten Jahr der Fall war, könnte der Markt zu einem Aufschlag übergehen", erklärte ein in Mumbai ansässiger Händler einer Privatbank. Diese Einschätzung verweist auf die bevorstehende Festsaison als potenziellen Wendepunkt für die Nachfrage.
In Indien stehen mit Dussehra im Oktober und Diwali Anfang November zwei der wichtigsten Feste des Jahres bevor. Zu diesen Anlässen gilt der Kauf von Gold traditionell als glückbringend, was die Nachfrage in der Vergangenheit regelmäßig beflügelt hat.
In China wurde Gold nach der Wiedereröffnung der Märkte am Donnerstag mit einem Aufschlag von 10 US-Dollar pro Unze gegenüber dem globalen Referenzpreis gehandelt. Die chinesischen Märkte hatten während der „Goldenen Woche" geschlossen. Bernard Sin, Regionaldirektor für Greater China bei MKS PAMP, kommentierte die Lage: „Die Aktivität bleibt relativ verhalten, da sich viele Marktteilnehmer noch im Urlaubsmodus befinden. Dennoch deutet der positive Aufschlag auf ein zugrunde liegendes physisches Kaufinteresse bei der Wiederaufnahme des Handels hin."
In anderen asiatischen Märkten zeigte sich ein gemischtes Bild: In Singapur wurde Gold mit einem Aufschlag zwischen 50 Cent und 1,50 US-Dollar gehandelt, in Hongkong zwischen pari und einem Aufschlag von 1 US-Dollar. In Japan bewegten sich die Preise zwischen einem Abschlag von 50 Cent und einem Aufschlag von 50 Cent. Ein in Tokio ansässiger Händler wies darauf hin, dass in dieser Woche Verkäufer, die Gewinne realisieren, den Ton angeben. Die internationalen Spot-Goldpreise stiegen im Wochenverlauf um mehr als 1 Prozent und erholten sich damit von einem zu Wochenbeginn erreichten Zweimonatstief.
Hintergrund: Was bisher geschah
Das aktuelle Bild der schwachen indischen Goldnachfrage ist kein Einzelphänomen. Bereits am 18. September 2026 berichtete aktien.news, dass die Goldnachfrage in Indien angespannt blieb und Käufer auf niedrigere Preise warteten. Damals notierten die inländischen Goldpreise bei rund 153.000 Rupien pro 10 Gramm, nachdem sie zu Beginn jener Woche auf 149.771 Rupien gefallen waren. Die Schmucknachfrage wurde damals als sehr schwach beschrieben.
Bereits am 5. Juni 2026 meldete aktien.news eine anhaltend verhaltene Goldnachfrage in Indien. Die Preise lagen damals bei rund 158.400 Rupien pro 10 Gramm, und Händler boten Abschläge von bis zu 87 US-Dollar pro Unze an. Als Hauptgrund wurde das Ende der Hochzeitssaison genannt, das die Nachfrage im Einzelhandel weiter dämpfte.
Noch früher, am 17. April 2026, berichtete aktien.news über eine ungewohnt verhaltene Nachfrage trotz des bevorstehenden Akshaya-Tritiya-Festes. Auch damals hielten sich Privatkäufer wegen hoher Preise zurück, obwohl das Fest traditionell als günstiger Zeitpunkt für Goldkäufe gilt.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die den Goldmarkt beobachten, liefert die aktuelle Entwicklung in Asien wichtige Hinweise auf die physische Nachfragesituation. Indien und China sind die beiden größten Goldmärkte der Welt – ihre Kaufbereitschaft beeinflusst das globale Preisgefüge maßgeblich.
Die Verringerung der Abschläge in Indien von bis zu 14 US-Dollar auf bis zu 6 US-Dollar pro Unze zeigt, dass das Überangebot am indischen Markt abnimmt. Gleichzeitig signalisiert der positive Aufschlag in China von 10 US-Dollar pro Unze, dass physisches Kaufinteresse vorhanden ist – auch wenn die Aktivität nach den Feiertagen noch gedämpft ist. Diese Kombination könnte auf eine schrittweise Erholung der physischen Nachfrage hindeuten.
Wichtig zu beachten: Die Abschläge und Aufschläge in den asiatischen Märkten gelten gegenüber dem globalen Referenzpreis beziehungsweise den offiziellen Inlandspreisen. Sie sind ein Indikator für das lokale Angebots- und Nachfragegleichgewicht, nicht für den Goldpreis selbst.
Ausblick
Die bevorstehende indische Festsaison mit Dussehra im Oktober und Diwali Anfang November gilt als entscheidender Test für die Nachfrageentwicklung. Der Mumbaianer Händler verwies darauf, dass die Investmentnachfrage in dieser Periode im vergangenen Jahr angezogen hatte und der Markt dabei zu einem Aufschlag übergegangen war. Ob sich dieses Muster wiederholt, hängt maßgeblich von der weiteren Preisentwicklung ab.
In China dürfte die Marktaktivität mit dem Ende des Urlaubsmodus schrittweise zunehmen. Der bereits positive Aufschlag von 10 US-Dollar pro Unze unmittelbar nach der Wiedereröffnung deutet darauf hin, dass die physische Nachfrage grundsätzlich intakt ist.
Kurz erklärt
- Abschlag (Discount): Preis, zu dem ein Rohstoff unterhalb des offiziellen Referenzpreises gehandelt wird, meist ein Zeichen für Überangebot oder schwache Nachfrage.
- Aufschlag (Premium): Preis, zu dem ein Rohstoff oberhalb des offiziellen Referenzpreises gehandelt wird, meist ein Zeichen für starke Nachfrage oder knappes Angebot.
- Spot-Goldpreis: Der aktuelle Marktpreis für sofortige Lieferung von Gold, der als globaler Referenzwert dient.
