Giropay wird zum Jahresende eingestellt
Deutsche Banken reagieren auf schwache Nutzung und Wettbewerb durch PayPal

Die deutschen Banken haben beschlossen, ihren Onlinebezahldienst Giropay zum Jahresende einzustellen. Laut der Betreiberfirma Paydirekt sind rund vier Millionen Nutzerinnen und Nutzer von der Kündigung betroffen, die per E-Mail informiert werden. Die Kündigungsfrist beträgt im Durchschnitt zwei Monate. Einige Händler haben Giropay bereits von ihren Plattformen entfernt, während andere Kunden bereits entsprechende Mitteilungen erhalten haben.
Der Schritt zur Einstellung von Giropay folgt auf die ernüchternden Geschäftszahlen, die zeigen, dass die Anwendung trotz einer hohen Anzahl an Registrierungen kaum genutzt wird. Im vergangenen Jahr wurden lediglich etwa 25 Millionen Transaktionen über Giropay abgewickelt, was einem Zahlungsvolumen von rund 1,6 Milliarden Euro entspricht. Dies ist im Vergleich zum Gesamtumsatz des deutschen Onlinehandels, der 2023 netto über 85 Milliarden Euro betrug, minimal. Zudem verzeichnete Paydirekt im Jahr 2023 einen Verlust von fast acht Millionen Euro und beschäftigte rund 100 Mitarbeiter.
Giropay wurde 2015 gegründet, um der starken Marktstellung des US-amerikanischen Konzerns PayPal entgegenzuwirken. Fünf Jahre später fusionierte Paydirekt mit dem bereits 2005 gestarteten Bezahldienst Giropay, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Laut einer Studie des EHI wurden 2023 nur weniger als ein Prozent der Onlinekäufe über Giropay abgewickelt, während PayPal rund 28 Prozent aller Onlinekäufe in Deutschland für sich verbuchen konnte.
Aktuell versuchen einige europäische Banken, darunter die Deutsche Bank sowie die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, mit der European Payment Initiative (EPI) PayPal Marktanteile abzunehmen. Diese Initiative zielt darauf ab, Europa unabhängiger von großen US-Zahlungsfirmen wie Mastercard und Visa zu machen. Das EPI-Bezahlsystem namens „Wero“ wurde bereits von Sparkassen und Volksbanken in Deutschland getestet, und französische Banken planen, diesem Beispiel zu folgen. Das EPI-System soll im zweiten Halbjahr 2025 auch für den E-Commerce und stationäre Zahlungen zur Verfügung stehen.
Darüber hinaus planen die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank die Einführung eines digitalen Euros. Dies könnte für bestehende Zahlungsdienstleistungen der Banken sowie die EPI-Initiative eine zusätzliche Konkurrenz darstellen.
