Gewerkschaften verweigern Lufthansa-Vorstand die Entlastung
Kritik an Sparplänen, interner Verlagerung und Managemententscheidungen nach der Corona-Krise

Kurz vor der Hauptversammlung der Lufthansa wächst der Widerstand gegen die aktuelle Unternehmensführung unter Konzernchef Carsten Spohr. Insbesondere die Gewerkschaften des fliegenden Personals äußern deutliche Kritik an dem eingeschlagenen Sparkurs. Sowohl die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) als auch die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) haben angekündigt, dem Vorstand auf der Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern. Damit stellen sich zentrale Arbeitnehmervertretungen klar gegen die Strategie der Konzernspitze.
Auslöser der Kritik ist vor allem die geplante Umstrukturierung innerhalb des Lufthansa-Konzerns, bei der Flugzeuge und Personal in neue Flugbetriebe überführt werden sollen. Die Gewerkschaften sehen darin eine Verlagerung von Arbeitsplätzen zu schlechteren Bedingungen. Ufo-Vorsitzender Joachim Vázquez Bürger kritisiert, dass der Konzern auf Kosten des Personals spare und ein interner Wettbewerb entfacht werde, bei dem nur billigere Anbieter Wachstumspotenzial hätten. Er fordert stattdessen ein Konzept, das alle Konzernteile einbezieht und eine nachhaltige Wachstumsstrategie ermöglicht.
Auch die Vereinigung Cockpit äußert sich in einem internen Rundschreiben kritisch gegenüber dem Vorstand. Die Pilotengewerkschaft wirft dem Management unter anderem Fehlentscheidungen beim Einkauf von Flugzeugen sowie eine unklare Markenstrategie vor. Besonders im Zusammenhang mit dem Wiederhochfahren des Betriebs nach der Corona-Krise sei zu zaghaft agiert worden, was im vergangenen Sommer zu betriebsbedingten Störungen und erheblichen Mehrkosten geführt habe. Die VC fordert, dass der Vorstand für diese Versäumnisse Verantwortung übernimmt.
Neben der Verweigerung der Entlastung spricht sich Ufo auch gegen das neue Vergütungssystem aus, das auf der Hauptversammlung zur Abstimmung steht. Beide Gewerkschaften gehören dem Aufsichtsrat der Lufthansa an, ebenso wie die Gewerkschaft Verdi. Ihre ablehnende Haltung dürfte somit auch über den symbolischen Charakter hinaus Wirkung entfalten. Die Auseinandersetzung zwischen Arbeitnehmervertretungen und Unternehmensführung verdeutlicht die Spannungen innerhalb des MDax-notierten Luftfahrtkonzerns. Die Hauptversammlung dürfte vor diesem Hintergrund mit besonderer Spannung erwartet werden.
