GameStop bietet 56 Milliarden Dollar für eBay-Übernahme
Der Videospielhändler legt ein unaufgefordertes Angebot von 125 Dollar je Aktie vor – mit einem Aufschlag von 20 Prozent.

Die GameStop Corp (NYSE: GME) hat am Sonntagabend ein unaufgefordertes Übernahmeangebot für eBay Inc (Nasdaq: EBAY) in Höhe von 56 Milliarden US-Dollar vorgelegt. Der Videospielhändler bietet 125 Dollar pro Aktie in bar und in Form von Aktien – das entspricht einem Aufschlag von rund 20 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von eBay vom vergangenen Freitag. Das Angebot setzt sich zu gleichen Teilen zusammen: 50 Prozent sollen in bar gezahlt werden, die restlichen 50 Prozent in GameStop-Aktien.
Gleichzeitig gab GameStop bekannt, bereits eine Beteiligung von rund 5 Prozent an eBay aufgebaut zu haben. Damit unterstreicht das Unternehmen seinen ernsthaften Willen zur Übernahme und signalisiert, dass es bereits als bedeutender Aktionär aufgetreten ist. Die Finanzierung der Transaktion soll durch eine Kombination aus Barmitteln und Fremdkapital erfolgen. TD Securities hat GameStop dafür eine Kreditzusage über 20 Milliarden US-Dollar gewährt.
Cohens Strategie: eBay als Amazon-Konkurrent
Das Angebot kommt nicht überraschend: GameStop-CEO Ryan Cohen hatte zuvor gegenüber dem Wall Street Journal angekündigt, ein Gebot für eBay zu planen. Cohen erklärte, er beabsichtige, eBay zu einem ernsthafteren Konkurrenten für Amazon.com Inc (NASDAQ: AMZN) auszubauen. Der Unternehmer, der GameStop in den vergangenen Jahren grundlegend umstrukturiert hat, sieht in eBay offenbar erhebliches ungenutztes Potenzial.
Cohen kritisierte eBay zudem für überhöhte Ausgaben in den Bereichen Vertrieb und Marketing. GameStop kündigte an, innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Transaktion jährliche Kosteneinsparungen in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar erzielen zu wollen. Diese Einsparungen sollen maßgeblich durch eine Straffung der Kostenstruktur des Online-Marktplatzes erreicht werden.
Proxy Fight als Druckmittel
Für den Fall, dass eBay das Angebot ablehnt oder ignoriert, hat Cohen bereits eine klare Eskalationsstrategie angekündigt. Er erklärte, er sei bereit, einen sogenannten Proxy Fight – also einen Stellvertreterkrieg – zu führen und sein Angebot direkt an die eBay-Aktionäre zu richten. Ein Proxy Fight ist ein Instrument, bei dem ein Investor versucht, andere Aktionäre auf seine Seite zu ziehen, um Einfluss auf Unternehmensentscheidungen oder die Zusammensetzung des Vorstands zu nehmen.
Sollte die Übernahme erfolgreich abgeschlossen werden, wird Ryan Cohen als CEO des fusionierten Unternehmens fungieren. Die Transaktion würde eine der größten Unternehmensübernahmen im US-amerikanischen E-Commerce-Sektor darstellen und GameStop von einem angeschlagenen Videospielhändler zu einem bedeutenden Player im Online-Handel verwandeln.
Für deutsche Anleger ist das Geschehen besonders interessant, da sowohl GameStop als auch eBay an US-Börsen notiert sind und das Angebot erhebliche Kursbewegungen bei beiden Titeln auslösen dürfte. eBay ist hierzulande als Online-Marktplatz bekannt und steht im direkten Wettbewerb mit Amazon, das auch in Deutschland Marktführer im E-Commerce ist.
