Fusionen bei Volksbanken: Ausweg aus dem Fachkräftemangel
Der Personalmangel und strenge Regulierung treiben immer mehr Banken zur Verschmelzung

Mehr als die Hälfte der Volks- und Raiffeisenbanken zeigt sich offen für Fusionen. Eine Umfrage des regionalen Genossenschaftsverbands ergab, dass 54 Prozent der Vorstände grundsätzlich bereit sind, mit anderen Banken zu verschmelzen. Der Hauptgrund für diese Bereitschaft ist der Fachkräftemangel, auf den 78 Prozent der Befragten hinweisen. Dies ist besonders brisant, da bis zum Jahr 2032 etwa ein Viertel der Beschäftigten in den Ruhestand gehen wird. Der Verband befragte bis Mitte August fast 200 der rund 290 Mitgliederbanken, von denen 18 bereits im laufenden Jahr Zusammenschlüsse planen.
Vor allem größere Banken zeigen sich fusionsoffen, was der Verband auf den bereits erheblichen Rückgang der Anzahl kleinerer Banken durch frühere Zusammenschlüsse zurückführt. Für viele kleinere Banken besteht die Motivation, eigenständig zu bleiben. Ein markantes Beispiel für einen Zusammenschluss ist die geplante Fusion der BBBank aus Karlsruhe mit der PSD Bank Berlin-Brandenburg. Diese Banken werden gemeinsam eine Bilanzsumme von 21 Milliarden Euro aufweisen und damit zur größten Genossenschaftsbank im Privatkundengeschäft aufsteigen. Auffällig ist hierbei, dass die beiden Banken geografisch weit voneinander entfernt liegen, da üblicherweise benachbarte Institute fusionieren.
Der Fachkräftemangel ist vor allem auf den demografischen Wandel zurückzuführen. Viele Genossenschaftsbanken müssen vermehrt Stellenanzeigen schalten, da sie Schwierigkeiten haben, neue Fachkräfte zu finden. Im zweiten Halbjahr 2024 wurden von Banken und Versicherern etwa 256.000 Stellen ausgeschrieben. Der Mangel an qualifiziertem Personal wird zusätzlich durch die fortschreitende Digitalisierung und die Schließung von Filialen teilweise ausgeglichen, doch die steigende Zahl der Pensionierungen macht dies nicht wett.
Neben dem Personalmangel spielt auch die zunehmende Regulierung eine Rolle bei der Entscheidung für Fusionen. Für 67 Prozent der Vorstände stellt die Regulierung einen weiteren wichtigen Grund für Zusammenschlüsse dar. Der Vorsitzende des Genossenschaftsverbands, Ingmar Rega, betont, dass der Mangel an Fachkräften auch durch fehlende Spezialisten für regulatorische Aufgaben verschärft werde. Insgesamt betrachten 88 Prozent der Bankvorstände regulatorische und aufsichtsrechtliche Themen als die größte Herausforderung für die Unternehmenspolitik, gefolgt von Zinspolitik und Personalmangel.
In den vergangenen Jahren hatten die Banken vor allem mit den niedrigen Zinsen zu kämpfen, was zu erheblichen Druck führte. Seit 2022 hat die Europäische Zentralbank die Zinsen mehrfach erhöht, was den Genossenschaftsbanken jedoch zugutekam. Im letzten Jahr verzeichneten sie einen Vorsteuergewinn von fast elf Milliarden Euro, den höchsten Wert in ihrer Geschichte.
