Führungswechsel bei Julius Bär
Kreditabschreibungen führen zu tiefgreifenden finanziellen und personellen Veränderungen

Die Schweizer Privatbank Julius Bär steht vor einem bedeutenden Führungswechsel. Philipp Rickenbacher, der bisherige Chef des Instituts, hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Diese Entscheidung folgt auf die finanziellen Turbulenzen, die durch die vollständige Abschreibung von Krediten in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro an den Signa-Konzern ausgelöst wurden, nachdem dieser in Insolvenz geraten war. Rickenbacher, der die Bank seit 2019 leitete, wird durch Nic Dreckmann ersetzt, der die Position vorübergehend übernimmt, bis ein dauerhafter Nachfolger gefunden ist.
Die Abschreibung der Kredite an Signa hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Finanzergebnisse der Bank für das Jahr 2023. Mit einem Rückgang des Gewinns um 52 Prozent auf 454 Millionen Schweizer Franken, weit unter den von Analysten prognostizierten 800 Millionen Franken, sieht sich Julius Bär mit einer erheblichen finanziellen Herausforderung konfrontiert. Diese Entwicklung hat auch personelle Konsequenzen innerhalb des Unternehmens nach sich gezogen. Neben Rickenbacher verlässt auch David Nicol, ein britisches Mitglied des Verwaltungsrates und Leiter des Risikokomitees, seinen Posten. Romeo Lacher, der Präsident des Verwaltungsrates, der ebenfalls Kritik im Zusammenhang mit dem Engagement bei Signa erfahren hatte, bleibt jedoch im Amt.
Die Bank hat ihre Entscheidung zur vollständigen Abschreibung der Kredite als einen "äußerst konservativen Schritt" beschrieben, der dazu dienen soll, alle Unsicherheiten für Aktionäre und Stakeholder zu beseitigen und Bedenken hinsichtlich weiterer möglicher Auswirkungen auf die Finanzlage der Bank auszuräumen. Diese Maßnahme spiegelt die Bemühungen des Instituts wider, seine Bilanz zu stabilisieren und das Vertrauen der Investoren zu stärken.
Darüber hinaus kündigte Julius Bär an, im Rahmen eines bereits früher angekündigten Sparprogramms weltweit 250 Stellen abzubauen. Dieser Schritt ist Teil einer umfassenderen Strategie, mit der die Bank ihre Kostenstruktur optimieren und gleichzeitig in wichtige Bereiche wie die Informatik investieren möchte. Zum Ende des vergangenen Jahres verzeichnete die Bank 7.425 Vollzeitstellen.
