Führungskräfte gehen, ZF steht vor Weichenstellung
Arbeitnehmer kämpfen um Jobs, während Management über Zukunft der Division E verhandelt

Der Abschied zweier wichtiger Führungskräfte trifft ZF mitten in einer Phase der Unsicherheit. Markus Schwabe, langjähriger Bereichsleiter für Elektrifizierte Antriebstechnologie, verlässt nach fast 23 Jahren das Unternehmen. In einer persönlichen Nachricht erklärte er, es sei für ihn an der Zeit, ein neues Kapitel zu beginnen. Auch Julian Fieres, Chefstratege der Division E, kündigte seinen Abschied an. Bis Ende November wird er das Unternehmen verlassen. Beide Positionen soll künftig Hassine Sioud übernehmen, der von Axalta zu ZF wechselt. Das Unternehmen äußerte sich zu den Veränderungen im Management nicht.
Die beiden Abgänge betreffen ausgerechnet die Division E, eine Sparte, die derzeit besonders im Fokus steht. Hier geht es um die Pkw-Antriebstechnologie, ein Geschäftsfeld, in dem verschiedene Optionen auf dem Tisch liegen. Diskutiert werden ein Carve-Out, die Suche nach einem Partner, ein Verkauf oder sogar das Auslaufen des Geschäfts. Für die Mitarbeiter steht dabei viel auf dem Spiel, denn es geht um tausende Arbeitsplätze in Deutschland. Insbesondere am Standort Schweinfurt hängt ein Großteil der Jobs am E-Motor, dessen Zukunft im Unternehmen ungewiss ist.
Die Arbeitnehmer haben gegen mögliche Einschnitte protestiert. Mehrere Tausend Beschäftigte machten ihren Unmut deutlich. Inzwischen gibt es ein Eckpunktepapier, das unter dem Titel „Bündnis für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung“ firmiert. Betriebsrat und IG Metall wollen mit diesem Papier die Zukunft der Division sichern. Ziel ist es, die Produkte im Konzern zu halten, die Standorte zu schützen und Kündigungen zu verhindern. Bis Ende September soll ein detaillierter Plan vorliegen, der vor allem die wichtigsten Produkte der Sparte berücksichtigt.
In Schweinfurt zeigt sich bereits, wie schwierig die Lage ist. Dort wird ab September bis Anfang 2026 die Arbeitszeit von 5500 Beschäftigten erneut reduziert. Statt der regulären Wochenstunden arbeiten sie künftig nur 32,5 Stunden. Auf diese Weise sollen Kosten gesenkt und Kündigungen vermieden werden. Die Maßnahme gilt als Signal, dass Zugeständnisse von Arbeitnehmerseite unvermeidlich sein dürften, um Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen.
Dennoch bestehen Zweifel, ob der Konzern mit solchen Schritten seine Probleme lösen kann. Die Schuldenlast ist hoch, die Nachfrage nach Autos schwächelt und der Hochlauf der Elektromobilität in Europa verläuft schleppender als erhofft. Insider gehen daher nicht von einer schnellen und reibungslosen Lösung aus. Selbst Vertreter der IG Metall betonen, dass mit dem Eckpunktepapier die Konflikte nicht beendet, sondern lediglich vertagt seien. Die kommenden Wochen dürften entscheidend werden für die Zukunft der Division und für die Beschäftigten, deren Arbeitsplätze weiterhin auf dem Spiel stehen.
