FTSE 100 unter Druck: Zölle und KI-Sorgen belasten Londoner Börse
Britische Bluechips geben nach – Technologieaktien und Banken im Minus, während Einzelwerte glänzen.

Der FTSE 100 hat am Montag leicht nachgegeben und stand gegen 12:40 Uhr MEZ mit 0,1% im Minus. Belastet wurde der britische Leitindex von einer Kombination aus anhaltender Zollunsicherheit und wachsenden Sorgen über die disruptive Kraft der Künstlichen Intelligenz. Der binnenmarktorientierte Mid-Cap-Index FTSE 250 konnte sich dagegen leicht behaupten und legte um 0,07% zu.
US-Präsident Donald Trump hatte ab Dienstag einen neuen Basiszollsatz von 10% auf alle importierten Waren eingeführt, die nicht unter Ausnahmeregelungen fallen. Dieser Satz liegt niedriger als die ursprünglich angekündigten 15%, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die ursprünglichen Abgaben gekippt hatte. Großbritannien hatte im Rahmen einer bilateralen Vereinbarung mit den USA bereits einen gegenseitigen Zollsatz von 10% ausgehandelt – eine Regelung, die nun Bestand hat.
KI-Disruption schreckt Investoren auf
Zusätzlichen Druck auf die Märkte übte ein Bericht von Citrini Research aus, der die potenziellen Risiken der rasant voranschreitenden KI-Technologie für die Weltwirtschaft skizzierte. Besonders Sektoren wie Software und Private Equity, die als anfällig für KI-bedingte Disruption gelten, brachen daraufhin an der Wall Street ein. Britische Technologieaktien verloren in der Folge rund 1%.
Zu den Verlierern im Technologiebereich zählten der Informationskonzern RELX mit einem Minus von 1,3% sowie der Börsenbetreiber London Stock Exchange Group (LSEG) mit einem Rückgang von 0,4%. Eine Ausnahme bildete Raspberry Pi: Die Aktie des Computerhardware-Unternehmens, das als möglicher Profiteur kostengünstiger KI-Projekte gilt, sprang um beeindruckende 11,7% nach oben.
Auch der Bankensektor stand unter Verkaufsdruck und gab insgesamt 1,2% nach. Lion Finance und Barclays verloren je 1,5%, Lloyds sank sogar um 1,9%. Standard Chartered büßte trotz positiver Quartalszahlen 2% ein: Die Bank meldete einen Anstieg des Vorsteuergewinns für das Gesamtjahr, kündigte einen Aktienrückkauf im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar an und erhöhte die Jahresdividende um 65% gegenüber dem Vorjahr.
Positive Ausreißer: Convatec und Croda mit starken Zahlen
Auf der Gewinnerseite stach Convatec hervor und kletterte um 10% an die Spitze des FTSE 100. Der Medizintechnikhersteller hob sein mittelfristiges Ziel für das organische Umsatzwachstum an und verwies dabei auf eine stärker werdende Produktpipeline. Auch der Spezialchemiekonzern Croda legte zu und gewann 3,4%, nachdem das Unternehmen ambitionierte Gewinnmargen für 2028 in Aussicht gestellt und gleichzeitig seine Strukturen nach verhaltener Nachfrage im Vorjahr weiter gestrafft hatte.
