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Fortescue mit Sammelklage wegen sexueller Belästigung konfrontiert

Aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen klagen gegen den australischen Eisenerz-Riesen wegen sexueller Belästigung und Geschlechterdiskriminierung.

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Fortescue mit Sammelklage wegen sexueller Belästigung konfrontiert

Der australische Eisenerz-Konzern Fortescue sieht sich mit einer Sammelklage konfrontiert, die sexuelle Belästigung und Geschlechterdiskriminierung an den abgelegenen Minenstandorten des Unternehmens anprangert. Das Unternehmen bestätigte am Montag, dass ihm die Klage im Namen aktueller und ehemaliger Mitarbeiterinnen zugestellt wurde. Eingereicht wurde sie von der Anwaltskanzlei JGA Saddler.

Die Kanzlei hatte Ende 2024 bereits ähnliche Sammelklagen gegen die Bergbauriesen Rio Tinto und BHP auf den Weg gebracht. Diese Verfahren sind noch vor den Gerichten anhängig. Damit steht nun die gesamte australische Bergbaubranche unter erheblichem rechtlichem Druck.

Erschreckende Schilderungen aus den Minenlagern

Die Erklärung von JGA Saddler enthält 45 Zeugenaussagen von Frauen, die bei Fortescue gearbeitet haben. Die geschilderten Vorfälle sind gravierend: „Immer wieder berichten uns Frauen, dass sie sich an den Minenstandorten von Fortescue nicht sicher fühlen", erklärte Paris Hamrey, Prozessanwältin bei JGA Saddler. „Frauen berichten uns, dass sie ihre tägliche Wäsche nicht waschen können, weil ihre Unterwäsche aus den öffentlichen Waschsalons gestohlen wird, oder dass sie nicht ins Fitnessstudio gehen können, weil Männer sie unangemessen berühren oder ihnen bis zu ihrem Zimmer folgen."

Eine der Zeuginnen schilderte in ihrer Aussage: „Eines Nachts kam ich nach Hause und fand einen fremden Mann in meinem Zimmer vor." Hamrey erklärte darüber hinaus, dass Frauen bei Fortescue, die Vorfälle gemeldet hatten, degradiert, entlassen, zum Schweigen gebracht oder auf eine schwarze Liste der Branche gesetzt wurden.

Fortescue investiert 300 Millionen US-Dollar in Sicherheitsinfrastruktur

Fortescues CEO für Metalle und Betrieb, Dino Otranto, bezeichnete die Anschuldigungen als „äußerst ernst" und versicherte, das Unternehmen nehme sie sehr ernst. Zu spezifischen Vorwürfen lehnte er eine Stellungnahme ab. „Haben wir noch mehr Arbeit vor uns? Ja. Die branchenweite Untersuchung vor einigen Jahren hat deutlich gemacht, dass der gesamte Sektor seine Standards anheben muss", sagte Otranto.

Das Unternehmen gab an, 300 Millionen US-Dollar in die Verbesserung der Unterkünfte an den Standorten zu investieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Sicherheitsmaßnahmen wie Sicherheitsschlössern, Chipkarten-Zugangssystemen, Videoüberwachung und besserer Beleuchtung.

Branchenweites Problem seit Jahren bekannt

Der Hintergrund dieser Klage ist kein neues Phänomen. Bereits im Jahr 2022 empfahl die Regierung des Bundesstaates Western Australia umfassende Branchenänderungen, nachdem sie ein nach eigenen Angaben entsetzliches Verhalten gegenüber Frauen dokumentiert und festgestellt hatte, dass sexuelle Belästigung und Übergriffe im sogenannten Fly-in-Fly-out-Minensektor (FIFO) weit verbreitet waren. Bei diesem Arbeitsmodell werden Arbeitskräfte per Flugzeug zu den abgelegenen Minenstandorten eingeflogen und nach ihrer Schicht wieder ausgeflogen.

Australien ist der weltweit größte Eisenerzproduzent, und viele der entlegenen Minen des Landes werden von FIFO-Arbeitskräften betrieben. Frauen machen derzeit 22 Prozent der Belegschaft in der Bergbauindustrie aus – ein Anstieg gegenüber etwa 18 Prozent zu Beginn des Jahrzehnts.

Gemischte Bilanz bei gemeldeten Vorfällen im Branchenvergleich

Fortescue meldete im Geschäftsjahr 2025 insgesamt 22 Fälle von sexueller Belästigung an die Bergbausicherheitsbehörde von Western Australia. Laut dem jüngsten Sicherheitsbericht entspricht dies einem Rückgang von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr – von den drei großen Bergbauunternehmen war Fortescue das einzige, das einen Rückgang verzeichnete.

Zum Vergleich: Das sogenannte „Care Hub" von Rio Tinto, das Mitarbeiter bei der Meldung von respektlosem oder schädlichem Verhalten unterstützt, registrierte im vergangenen Jahr laut Geschäftsbericht 702 Vorfälle – ein Anstieg von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr. BHP meldete im Geschäftsjahr 2025 laut seinem Jahresbericht 429 Vorfälle. Die Zahlen verdeutlichen, dass das Problem der sexuellen Belästigung und Diskriminierung die gesamte australische Bergbaubranche betrifft und trotz erster Fortschritte weiterhin ein strukturelles Problem darstellt.

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