ANZEIGE

Ford streicht 1.000 Arbeitsplätze in Köln

Elektroauto-Verkäufe bleiben hinter Erwartungen, Belegschaft bangt um die Zukunft des Werks

2 Min
Ford streicht 1.000 Arbeitsplätze in Köln

Ford reagiert auf schwache Absatzzahlen bei seinen Elektrofahrzeugen mit einer weiteren Reduzierung der Belegschaft am Standort Köln. Das Unternehmen kündigte an, in der Produktion zusätzlich rund 1.000 Arbeitsplätze abzubauen und den Betrieb ab Januar von zwei Schichten auf eine Schicht umzustellen. Schon zuvor hatte Ford einen umfassenden Stellenabbau beschlossen, der bis Ende 2027 insgesamt 2.900 Arbeitsplätze in Deutschland betreffen sollte. Mit den jetzt verkündeten Maßnahmen verschärft der Autobauer seinen Sparkurs deutlich.

Die Entscheidung trifft auf eine Belegschaft, die erst vor kurzem nach langen Auseinandersetzungen einem zuvor ausgehandelten Sparprogramm zugestimmt hatte. Der damalige Plan führte zum ersten Streik in der Geschichte der Kölner Ford-Werke und wurde nur widerwillig akzeptiert. Hintergrund der erneuten Kürzungen ist die schwache Nachfrage nach den in Köln gefertigten Elektroautos. Vor allem das Modell Explorer, das seit 2023 auf dem Werksgelände vom Band läuft, verkauft sich schlechter als erwartet.

Nach Angaben des Unternehmens sollen die Beschäftigten erneut über freiwillige Abfindungen oder Altersteilzeit zum Ausscheiden bewegt werden. Die Bedingungen entsprechen den bereits im ersten Sparpaket vereinbarten Konditionen, die von der IG Metall ausgehandelt wurden. Betriebsbedingte Kündigungen sind vorerst ausgeschlossen, könnten aber folgen, sollte die Zahl der freiwilligen Abgänge nicht ausreichen. Ford betonte, man sei sich der Belastung für die Mitarbeiter bewusst und wolle diese bestmöglich unterstützen.

Die Gewerkschaft IG Metall reagierte enttäuscht und sprach von einem weiteren Rückschlag für den Standort Köln. Sprecher David Lüdtke verwies auf die Umstellung von Zwei-Schicht- auf Ein-Schicht-Produktion und bezeichnete sie als schlechtes Signal. Zudem kritisierte er die Modellpolitik des Konzerns auf dem europäischen Markt, die seiner Ansicht nach zum aktuellen Kostendruck beigetragen habe. Unter den Beschäftigten wächst die Verunsicherung über die langfristige Zukunft des Werks.

Ford ist seit 1930 mit einer großen Produktionsstätte in Köln vertreten. Jahrzehntelang lief hier das Erfolgsmodell Fiesta vom Band, ehe 2023 fast zwei Milliarden Euro in die Umstellung auf Elektroautos investiert wurden. Die Erwartungen an den Absatz erfüllten sich jedoch nicht. Zwischen Januar und August dieses Jahres wurden in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt rund 74.000 Pkw der Marke Ford neu zugelassen, darunter etwa 20.000 Elektroautos. Der Marktanteil stieg zwar auf 4,5 Prozent, blieb aber auf niedrigem Niveau. Ford hatte ursprünglich mit einem Anteil von 35 Prozent an Elektrofahrzeugen im Gesamtmarkt gerechnet, tatsächlich liegt dieser derzeit jedoch nur bei 18 Prozent.

Durch die nun geplanten Kürzungen könnte die Zahl der Beschäftigten in Köln auf rund 7.600 sinken. Ende des vergangenen Jahrzehnts waren dort noch etwa 20.000 Menschen angestellt. Der Standort, der über viele Jahrzehnte zu den wichtigsten Pfeilern der deutschen Autoindustrie zählte, erlebt damit einen tiefgreifenden Wandel.

FordAutoindustrieStellenabbauDeutschland

Meistgelesene News

  1. Chevron und Halliburton: Öldeal mit Venezuela treibt Aktienkurse an
  2. Tesla am Scheideweg: Rekordumsatz trifft auf milliardenschwere KI-Ambitionen
  3. Teslas 25-Milliarden-Wette: Vom Autobauer zum KI-Roboter-Konzern
  4. Tesla-Robotaxi-Strategie und BYD-Expansion prägen das globale EV-Duell
  5. Führungswechsel bei Volksbank Brawo und L3Harris erschüttern Märkte

Disclaimer