Flugverkehr scheitert an eigenen Klimazielen
Effizienzsteigerungen und nachhaltige Treibstoffe bleiben hinter Erwartungen zurück

Der weltweite Passagierluftverkehr hat seine selbst gesteckten Klimaziele laut einer aktuellen Studie deutlich verfehlt. Im Jahr 2023 verbesserten die Airlines ihre CO2-Effizienz im Vergleich zu 2019 lediglich um knapp sechs Prozent, was einem jährlichen Anstieg von etwa 1,4 Prozent entspricht. Für die Erreichung der Klimaziele des Pariser Abkommens wären jedoch jährliche Effizienzsteigerungen von vier Prozent erforderlich. Trotz des geringeren Flugaufkommens infolge der Pandemie stieg der Luftverkehr nahezu wieder auf das Niveau vor 2020, während die Fortschritte im Klimaschutz hinter den Erwartungen zurückblieben.
Die deutsche Umweltorganisation atmosfair veröffentlichte zur Klimakonferenz in Baku ein Airline-Ranking, in dem unter anderem Lufthansa, Condor und TUIfly deutlich schlechter abschnitten als in vorherigen Bewertungen. Insbesondere Airlines mit älteren Flotten hatten schlechtere Werte, da modernere Flugzeugtypen mit effizienteren Triebwerken den Kerosinverbrauch erheblich reduzieren könnten. Lieferschwierigkeiten bei Boeing und Airbus behinderten jedoch die Modernisierung der Flotten. Im Ranking erreichten TUIfly Netherlands und Starlux aus Taiwan die besten Effizienzwerte.
Neben dem CO2-Ausstoß tragen auch sogenannte Nicht-CO2-Effekte des Flugverkehrs erheblich zur globalen Erwärmung bei. Dazu gehören insbesondere Kondensstreifen, die durch Eiskristalle entstehen und als Eiswolken die Erdwärme zurück zur Oberfläche reflektieren. Experten schätzen, dass die Luftfahrt durch diese Effekte etwa 3,5 bis fünf Prozent zur globalen Erwärmung beiträgt. Dies verdeutlicht, dass der Luftverkehr in zweifacher Hinsicht problematisch für das Klima ist.
Ein Hoffnungsträger für klimafreundlicheres Fliegen ist der Einsatz synthetischer Treibstoffe wie E-Fuels. Atmosfair produzierte erstmals CO2-neutrales Kerosin, das aus Strom, Wasser und CO2 gewonnen wird, und lieferte es an deutsche Reiseveranstalter. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt testete diese Treibstoffe in Experimenten, um deren Einfluss auf die Emissionen zu bewerten. Bislang bleibt der Einsatz dieser nachhaltigen Alternativen jedoch marginal.
Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO hatte bereits 2010 das Ziel formuliert, die CO2-Effizienz jährlich um zwei Prozent zu steigern. Laut atmosfair wurden selbst diese als unzureichend bewerteten Vorgaben erstmals nicht erfüllt. Die Zahlen zeigen, dass die Klimawende im Flugverkehr weiterhin ausbleibt, was von Experten als zu langsamer Fortschritt im Klimaschutz kritisiert wird.
