Fiserv-Aktie springt 6 Prozent: STAR-Netzwerk vor Verkauf
Ein Reuters-Bericht über den geplanten Verkauf des STAR-Debitkartennetzwerks an US-Großbanken beflügelt die Fiserv-Aktie kräftig.

Die Aktie des US-Zahlungstechnologieunternehmens Fiserv hat am Montag im morgendlichen Handel um 6,0 Prozent zugelegt und dabei einen Kurs von 54,87 US-Dollar erreicht. Auslöser war ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach Fiserv den Verkauf seines STAR-Debitkartennetzwerks an eine Gruppe führender US-Banken prüft. Als potenzielle Käufer werden JPMorgan Chase, Bank of America, Wells Fargo und die PNC Financial Services Group genannt.
Das STAR-Netzwerk ist ein bedeutendes Stück Finanzinfrastruktur: Es verarbeitet Debit-, Geldautomaten- und E-Commerce-Transaktionen für mehr als 115 Millionen Karteninhaber bei über 2.800 Finanzinstituten. Ein Verkauf würde damit eine erhebliche strategische Desinvestition für Fiserv darstellen und das Unternehmen grundlegend neu ausrichten.
Aktivistischer Investor erhöht den Druck
Der Schritt kommt nicht überraschend, wenn man den unternehmensinternen Hintergrund kennt. Der aktivistische Investor Jana Partners drängt Fiserv seit geraumer Zeit dazu, nicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte zu veräußern und den Vorstand zu erneuern. Die nun bekannt gewordenen Verkaufsgespräche gelten als konkretes Signal, dass das Management unter dem neu ernannten CEO Takis Georgakopoulos auf diesen Druck reagieren könnte.
Zusätzlichen Rückenwind erhält die positive Stimmung rund um die Aktie durch eine Reihe von Insiderkäufen. Mehrere Verwaltungsratsmitglieder und leitende Angestellte haben zuletzt Aktien des Unternehmens erworben. Solche Käufe aus dem Unternehmensinneren werden von Anlegern häufig als Vertrauenssignal in den eingeschlagenen Turnaround-Kurs gewertet.
Visa und Mastercard unter Druck
Während Fiserv von den Nachrichten profitierte, belasteten dieselben Berichte die Konkurrenten im Bereich der Zahlungsnetzwerke. Sowohl Visa als auch Mastercard verzeichneten im vorbörslichen Handel Kursverluste. Der Grund: Würden große Banken ein eigenes Debitnetzwerk besitzen, könnten sie Transaktionen künftig intern abwickeln und ihre Abhängigkeit von Drittanbietern wie Visa oder Mastercard deutlich reduzieren.
Das allgemeine Marktumfeld bot für den Kursanstieg von Fiserv dabei keinerlei Unterstützung. Der S&P 500 notierte am selben Tag mit minus 0,1 Prozent leicht im Minus, der technologielastige Nasdaq verlor sogar 0,6 Prozent. Der Kurssprung bei Fiserv war damit rein unternehmensspezifisch bedingt und kein Ergebnis einer breiten Sektorbewegung.
Aktie weit unter Jahreshoch
Trotz des deutlichen Tagesgewinns bleibt die Fiserv-Aktie im historischen Vergleich unter Druck. Zwar hob sich der Kurs spürbar vom jüngsten 52-Wochen-Tief bei 47,04 US-Dollar ab, doch das 52-Wochen-Hoch von 173,50 US-Dollar liegt noch in weiter Ferne. Für Anleger verdeutlicht dies das erhebliche Aufholpotenzial, aber auch den langen Weg, den das Unternehmen noch vor sich hat.
Die Kombination aus einem hochkarätigen potenziellen Asset-Verkauf, der Ausrichtung an den Forderungen von Jana Partners und einer Reihe vertrauensbildender Insiderkäufe schuf einen starken, unternehmensspezifischen Katalysator. Ob der Verkauf des STAR-Netzwerks tatsächlich zustande kommt und welchen Preis Fiserv dabei erzielen kann, bleibt abzuwarten.
