Finanzielle Turbulenzen bei der 'Effenberg-Bank
Der Exot im Genossenschaftssektor: Hintergründe, Herausforderungen und die Rolle der Finanzaufsicht

Die "Effenberg-Bank" steht vor einer unsicheren Zukunft, nachdem Vorstandschef Stefan Siebert zurückgetreten ist. Die Bank, die offiziell als Volksbank-Raiffeisenbank (VR-Bank) in Thüringen bekannt ist, steht vor finanziellen Herausforderungen und wird voraussichtlich auf Unterstützung aus dem Sicherungsfonds der deutschen Genossenschaftsbanken angewiesen sein. Dies bestätigte Anwalt Edgar Steinle, der den Aufsichtsrat der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden berät. Der genaue Umfang der benötigten Hilfe wird derzeit noch geprüft, da der Jahresabschluss für das Jahr 2022 noch nicht testiert wurde.
Die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden erlangte bundesweite Bekanntheit durch ihre ungewöhnliche Geschäftspolitik, insbesondere ihre Kreditvergabe an Profifußballvereine. Vor fünf Jahren wurde Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg als Berater eingestellt, um die Risiken im Fußballsektor besser zu bewerten. Diese unkonventionelle Herangehensweise hat die Bank zu einem Exoten im Genossenschaftssektor gemacht und immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.
Die Spannungen zwischen der Bank und der Finanzaufsicht Bafin sowie dem Genossenschaftsverband BVR haben sich verschärft, was zu erhöhter Aufregung im Genossenschaftssektor führt. Die Genossenschaftsbanken haben ein Sicherungssystem etabliert, um zu verhindern, dass Banken in Schwierigkeiten insolvent werden. Stattdessen erhalten sie Unterstützung aus einem Sicherungsfonds, in den alle Institute einzahlen. Nach der Stützung erfolgt oft eine Fusion mit einer benachbarten Volksbank, und es wird nicht ausgeschlossen, dass dies auch bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden der Fall sein könnte.
Die Bafin plant, ihre Überwachung der Bank zu verschärfen, indem sie einen Sonderbeauftragten zur Bank entsendet. Dies ist eine drastische Maßnahme und wird normalerweise nur ergriffen, wenn es erhebliche Probleme bei einem Finanzinstitut gibt. Diese Entwicklung könnte bedeuten, dass der Sonderbeauftragte perspektivisch einen Vorstandsposten in der Bank übernimmt, da der Interimschef Jan Wettstein bereits gekündigt hat und die Bank regulatorisch mindestens zwei Geschäftsleiter haben muss.
Die aktuellen Entwicklungen werfen viele Fragen auf, und sowohl die Bafin als auch der BVR und die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden haben sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert. Die Bank muss nun zusätzliches Eigenkapital vorhalten, um mögliche Verluste zu kompensieren, was dazu führen könnte, dass sie einige Vermögenswerte veräußern muss.
Der Konflikt zwischen der Bank und den Aufsichtsbehörden sowie dem Genossenschaftsverband hat die grundsätzliche Frage aufgeworfen, wie viel Abweichung von einem traditionellen Geschäftsmodell erlaubt ist, insbesondere für Banken, die im Falle von Problemen von der Genossenschaftsgemeinschaft aufgefangen werden müssen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickelt und ob die Bank in der Lage ist, ihre finanziellen Probleme zu bewältigen.
