Ferrexpo warnt vor Insolvenz: Barmittel reichen bis August
Der ukrainische Eisenerzförderer braucht dringend 100 Millionen Dollar frisches Kapital – sonst droht die Zahlungsunfähigkeit.

Der an der Londoner Börse notierte ukrainische Eisenerzförderer Ferrexpo hat am Mittwoch eine drastische Warnung ausgesprochen: Ohne neue Finanzierung könnten dem Unternehmen bis Ende August die Barmittel ausgehen. Als Reaktion auf die Nachricht brachen die Aktien im Londoner Handel um 25 Prozent auf 32,3 Pence ein.
Ferrexpo teilte mit, eine Eigenkapitalerhöhung von mindestens 100 Millionen US-Dollar in Erwägung zu ziehen. Ohne diese Maßnahme hätte das Unternehmen „höchstwahrscheinlich keine andere Wahl, als Insolvenz anzumelden", so die offizielle Mitteilung. Mitte April verfügte Ferrexpo lediglich über frei verfügbare Barmittel in Höhe von rund 17 Millionen US-Dollar.
Um kurzfristig Liquidität zu gewinnen, plant das Unternehmen zudem den Verkauf seines Umladeschiffs für geschätzte 7,7 Millionen US-Dollar – ein Schritt, der noch im laufenden Monat abgeschlossen werden soll.
Krieg und Energiekrise lähmen den Betrieb
Die russische Invasion in der Ukraine hat Ferrexpo massiv getroffen. Anhaltende Energieknappheit und logistische Störungen zwangen das Unternehmen dazu, im Jahr 2026 mit lediglich etwa einem Viertel seiner Vorkriegskapazität zu operieren. Russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur haben die Fähigkeit des Unternehmens beeinträchtigt, die Produktion kontinuierlich aufrechtzuerhalten. Im Jahr 2025 stellte Ferrexpo die Produktion vorübergehend vollständig ein, um Barmittel zu schonen.
Zusätzlich zur Kriegssituation belastet die Aussetzung der Mehrwertsteuerrückerstattungen durch die ukrainischen Steuerbehörden seit März 2025 die Liquidität des Unternehmens erheblich. Ferrexpo bezeichnete diesen Schritt als Maßnahme mit „schwerwiegenden Auswirkungen" auf den Cashflow.
Großaktionär und rechtliche Risiken als weiterer Belastungsfaktor
Ferrexpo hob zudem die anhaltenden Risiken rund um seinen Gründer Kostjantyn Schewago hervor. Der ukrainische Milliardär ist begünstigter Empfänger eines Trusts namens Fevamotinico, dem größten Aktionär von Ferrexpo mit einem Anteil von rund 49 Prozent. Schewago sieht sich rechtlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch einer ukrainischen Bank gegenüber. „Fevamotinico wird von bestimmten Behörden in der Ukraine als der letztendliche wirtschaftliche Eigentümer des Unternehmens angesehen", erklärte Ferrexpo in seiner Mitteilung.
Das Unternehmen befindet sich bereits in Gesprächen mit Fevamotinico darüber, ob der Großaktionär an der geplanten Kapitalerhöhung teilnehmen oder eine Verwässerung seines Anteils akzeptieren wird. Der Plan zur Ausgabe neuer Aktien erfordert die Zustimmung einer Hauptversammlung sowie der Aktionäre.
Alternativen reichen nicht aus
Ferrexpo prüfte nach eigenen Angaben eine Reihe von Optionen, darunter die Aufnahme zusätzlicher Schulden sowie die Neuverhandlung von Zahlungsbedingungen mit Lieferanten und Kunden. Das Unternehmen warnte jedoch, dass solche Alternativen entweder nicht ausreichen würden, um das Geschäft zu stabilisieren, oder langfristig nicht tragfähig wären.
Ferrexpo „glaubt nicht, dass eine realistische Aussicht besteht, dass das Unternehmen in der Lage sein wird, aus einer dieser alternativen Optionen ausreichend Barmittel zu generieren, bevor der Liquiditätsengpass der Gruppe eintritt", hieß es in der offiziellen Mitteilung. Für Anleger, die in den an der Londoner Börse notierten Eisenerzförderer investiert sind, bleibt die Lage damit äußerst angespannt.
