Fed reformiert Stresstests für Großbanken: Mehr Transparenz, stabilere Kapitalpuffer
Die US-Notenbank finalisiert eine Überarbeitung ihrer jährlichen Stresstests und reagiert damit auf langjährige Kritik der Branche.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Mittwoch eine grundlegende Überarbeitung ihrer jährlichen Stresstests für große Finanzinstitute finalisiert. Mit diesen Anpassungen reagiert die Zentralbank auf langjährige Kritik aus der Branche, wonach die bisherigen Prüfverfahren zu intransparent und subjektiv gestaltet waren. Die Stresstests sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie viel Kapitalreserven die Banken vorhalten müssen.
Die nun verabschiedeten Änderungen spiegeln im Wesentlichen die Vorschläge wider, die die Fed bereits vor einem Jahr unterbreitet hatte. Damit bestätigt die Notenbank ihren eingeschlagenen Kurs, das Regelwerk transparenter und für die Institute berechenbarer zu machen. Für die betroffenen Großbanken bedeutet das planbarere Vorgaben bei der Kapitalplanung.
Öffentliches Konsultationsverfahren als Kern der Reform
Ein zentraler Bestandteil der Reform ist die Einführung eines öffentlichen Konsultationsverfahrens. Künftig wird die Fed bei wesentlichen Änderungen an den Testmodellen sowie bei der Gestaltung der hypothetischen Wirtschaftsszenarien explizit Feedback von externen Parteien einholen. Diese Szenarien dienen dazu, potenzielle Schwachstellen in den Bilanzen der Institute zu identifizieren. Mit dem neuen Verfahren öffnet die Zentralbank einen Bereich, der bislang weitgehend intern und ohne externe Beteiligung gesteuert wurde.
Neue Berechnung des Stress Capital Buffer
Zudem wird die Berechnung des sogenannten „Stress Capital Buffer" (SCB) angepasst. Dieser Kapitalpuffer orientiert sich an der individuellen Performance einer Bank im Stresstest und wird künftig als Durchschnittswert der Ergebnisse der letzten zwei Jahre ermittelt. Bisher basierte der Wert auf der Leistung eines einzelnen Jahres, was laut Branchenvertretern zu einer hohen Volatilität der Anforderungen führte. Die Fed erwartet durch die neue Berechnungsmethode eine deutliche Glättung der Kapitalanforderungen.
Konkret geht die Notenbank davon aus, dass sich die jährliche Schwankungsbreite der Kapitalanforderungen durch die neue Berechnungsmethode um etwa 50 Prozent reduzieren lässt. Gleichzeitig betonte die Fed, dass die Änderungen keine wesentlichen Auswirkungen auf das aggregierte Gesamtkapitalniveau der Banken haben werden. Die Institute müssen unterm Strich also nicht mit spürbar höheren oder niedrigeren Kapitalanforderungen rechnen — sie sollen lediglich gleichmäßiger über die Jahre verteilt werden.
Für den deutschen Markt ist die Reform vor allem deshalb relevant, weil viele hiesige Großbanken über Töchter oder Niederlassungen in den USA aktiv sind und sich den dortigen Aufsichtsanforderungen stellen müssen. Auch europäische Aufseher beobachten die US-Praxis aufmerksam, da Stresstests weltweit ein zentrales Instrument der Bankenregulierung sind.
Mit der Finalisierung der Regeln schließt die Fed einen Prozess ab, der vor rund einem Jahr mit den ersten Vorschlägen begonnen hatte. Ob die erhoffte Reduktion der Volatilität tatsächlich eintritt, wird sich erst in den kommenden Testrunden zeigen. Klar ist jedoch: Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Modelle werden für die Banken künftig eine größere Rolle spielen.
