Family Offices reduzieren Investitionen im Dezember deutlich
Die Investmentfirmen ultrareicher Familien tätigten im Dezember 62% weniger Direktinvestitionen als im Vorjahr. Trotz der Zurückhaltung prägen junge Erben mit Fokus auf Gesundheitswesen und Medien die Branche.

Die privaten Investmentfirmen ultrareicher Familien, sogenannte Family Offices, haben ihre Dealaktivitäten im Dezember stark zurückgefahren. Laut exklusiven Daten der Private-Wealth-Plattform Fintrx tätigten sie nur 35 Direktinvestitionen in Unternehmen – ein Rückgang von etwa 62% im Jahresvergleich. Diese Entwicklung steht im Kontrast zur hohen Aktivität an der Wall Street, wo Großtransaktionen wie die Bieterschlacht um Warner Bros. Discovery die Schlagzeilen dominierten.
Die verhaltene Investitionstätigkeit der Family Offices schloss ein insgesamt schwaches Jahr ab. Zollunsicherheiten und geopolitische Konflikte führten dazu, dass die Firmen ihre direkten Engagements zurückfuhren und eine abwartende Haltung einnahmen.
Junge Erben setzen neue Akzente
Trotz der allgemeinen Zurückhaltung prägen Erben der Millennial- und Generation-X-Generationen zunehmend die Investmentstrategien ihrer Family Offices. Ein prominentes Beispiel ist Guillaume Houzé, der 44-jährige Erbe der französischen Kaufhauskette Galeries Lafayette. Sein Motier Ventures gilt laut Fintrx als eines der aktivsten Family Offices und konzentriert sich auf technologieorientierte Investments.
Im Dezember beteiligte sich Motier Ventures an einer Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 7,2 Millionen Euro für das Bluttest-Startup Lucis. Diese Investition zeigt einen typischen Trend: Erben investieren häufig außerhalb der Branchen, die das ursprüngliche Familienvermögen begründet haben.
Medien und gesellschaftliche Verantwortung
Ein weiteres Beispiel für die neue Ausrichtung ist Leonardo Maria Del Vecchio, Erbe des Luxottica-Gründers. Der Brillen-Milliardär erwarb über die neu gegründete Medienabteilung seines Family Office, LMDV Capital, 30% des italienischen Nachrichtenportals Il Giornale. In einem Interview mit der italienischen Presse erklärte Del Vecchio, er erwarte keine hohen Renditen und investiere aus einem Gefühl der bürgerlichen Verantwortung heraus.
Direktinvestitionen als Nachfolgeplanung
Ultra-vermögende Familien nutzten traditionell die Philanthropie, um die nächste Generation einzubinden. Laut Scott Saslow, einem Family-Office-Berater, setzen Familien jedoch zunehmend auf Direktinvestitionen – oft mit Fokus auf Nachhaltigkeit –, um Erben zu engagieren und auf ihre künftige Rolle vorzubereiten.
Die jüngste Family-Office-Umfrage der UBS bestätigt diesen Trend: Knapp ein Drittel der Family Offices gab an, dass Familienmitglieder der nächsten Generation an Direktinvestitionen beteiligt sein würden. 39% erwarteten, dass die nächste Generation bei der Verwaltung der Investments mithelfen würde.
Ausblick für 2026
Obwohl das Jahr 2025 von Zurückhaltung geprägt war, deuten die strategischen Investitionen junger Erben auf eine Neuausrichtung hin. Der Fokus verschiebt sich von traditionellen Branchen hin zu Technologie, Gesundheitswesen und Medien – oft verbunden mit einem gesellschaftlichen Anspruch, der über reine Renditeerwartungen hinausgeht.
