Exxon Mobil greift ISS wegen Texas-Sitzverlegung scharf an
Der Ölkonzern wirft dem Stimmrechtsberater fehlerhafte Analyse und mangelnde Offenlegung eines Interessenkonflikts vor.

Exxon Mobil hat den einflussreichen Stimmrechtsberater Institutional Shareholder Services (ISS) öffentlich kritisiert. Auslöser ist eine Empfehlung von ISS gegen den Vorschlag des Ölkonzerns, seinen Firmensitz nach Texas zu verlegen. Exxon wirft dem Berater vor, sich auf eine fehlerhafte Analyse gestützt zu haben.
Besonders schwer wiegt der Vorwurf, ISS habe einen potenziellen Interessenkonflikt nicht offengelegt. Konkret geht es um einen laufenden Rechtsstreit mit dem texanischen Generalstaatsanwalt, in den ISS involviert sein soll. Exxon sieht darin einen klaren Verstoß gegen die gebotene Transparenz eines unabhängigen Beratungsdienstleisters.
Panikmache statt sachlicher Analyse
Der Ölkonzern warf ISS zudem vor, gegenüber Aktionären Panikmache zu betreiben. ISS habe spekuliert, die Sitzverlegung könnte die Rechte der Aktionäre beeinträchtigen – eine Einschätzung, die Exxon entschieden zurückweist. Das Unternehmen betonte ausdrücklich, dass es keine optionalen texanischen Bestimmungen übernehmen werde, die die Aktionärsrechte schmälern könnten.
Stimmrechtsberater wie ISS spielen im angloamerikanischen Kapitalmarkt eine bedeutende Rolle. Institutionelle Investoren – darunter große Fonds und Pensionskassen – orientieren sich bei Hauptversammlungsabstimmungen häufig an deren Empfehlungen. Eine negative Empfehlung von ISS kann daher erheblichen Einfluss auf das Abstimmungsergebnis haben, was die scharfe Reaktion von Exxon erklärbar macht.
Exxon äußerte darüber hinaus Bedenken hinsichtlich der Haltung von ISS zu einem weiteren Tagesordnungspunkt: der Unterstützung eines Vorschlags zur Stimmabgabe von Privatanlegern. Das Unternehmen deutete an, dass dies zu Konflikten im Zusammenhang mit maßgeschneiderten Abstimmungsrichtlinien führen könne. Details zu diesem Punkt nannte Exxon nicht weiter.
Exxon appelliert an Aktionäre
Abschließend forderte Exxon Mobil seine Aktionäre auf, die zur Abstimmung stehenden Vorschläge unabhängig und auf Grundlage aller verfügbaren Daten zu bewerten. Das Unternehmen signalisiert damit, dass es das Urteil von ISS nicht als maßgeblich akzeptiert und stattdessen auf das eigenständige Urteilsvermögen seiner Investoren setzt.
Die geplante Sitzverlegung nach Texas ist Teil einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Texas gilt als unternehmensfreundlicher Bundesstaat mit einem günstigen regulatorischen Umfeld – ein Aspekt, der für einen der weltgrößten Ölkonzerne von erheblicher Bedeutung ist. Wie die Aktionäre letztlich abstimmen werden, bleibt abzuwarten.
