Evakuiert im Brutkasten: Bissan kehrt nach Gaza zu ihrer Mutter zurück
Das Frühgeborene Bissan überlebte die Evakuierung nach Ägypten – nun lernt sie im Gazastreifen ihre Mutter kennen.

Zwei Wochen nach Kriegsbeginn im Gazastreifen im Oktober 2023 riss ein israelischer Angriff das Haus der Familie von Bissan in Beit Lahiya nahe der Grenze zu Israel auseinander und tötete eine Schwester, die sie nie kennenlernen sollte. Die Explosion verletzte ihre schwangere Mutter schwer, die gezwungen war, Bissan sechs Wochen zu früh zur Welt zu bringen, um das Leben beider zu retten.
Wochen später wurde das Baby noch im Brutkasten in einem Krankenwagen nach Ägypten gefahren. Bissan gehörte zu einer Gruppe von 29 Frühgeborenen, die aus einer neonatologischen Station evakuiert wurden, als sich die vorrückenden israelischen Streitkräfte näherten. Sieben dieser Babys starben in Ägypten. Bissan überlebte.
Ihre Mutter Sundus al-Kurd verlor währenddessen die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung nie. Während Bissan in ägyptischen Krankenhäusern und in einem Pflegeheim aufwuchs und der Krieg im Gazastreifen weitertobte, führte Sundus Videogespräche mit dem Baby, wann immer sie Internetzugang hatte. Im März dieses Jahres wurde Bissan mit formell geltendem Waffenstillstand im Rahmen einer von den Vereinten Nationen unterstützten Mission zusammen mit zehn weiteren Kindern derselben Gruppe nach Gaza zurückgebracht, um sich mit ihrer Familie wiederzuvereinigen.
Die Details
Als sie sich schließlich wiedersahen, erkannte Bissan ihre Mutter nicht, sagte Sundus. Das nun zweieinhalb Jahre alte Mädchen sagte „Mama“ zu jeder Frau, die ihm Freundlichkeit entgegenbrachte. Die Nachrichtenagentur Reuters dokumentierte die Wiedervereinigung und besuchte Bissan sowie mehrere der anderen Kinder in den folgenden Monaten, während sie Bindungen zu ihren Müttern und Vätern aufbauten.
Von den elf Frühgeborenen, die im November 2023 nach Ägypten evakuiert und in diesem Jahr nach Gaza zurückgebracht wurden, konnten nicht alle ihre Mütter treffen. Für das Baby Ibrahim war es bereits zu spät. Seine Mutter Israa Badr verfiel in eine tiefe Depression, nachdem ihr Sohn, der im achten Monat der Schwangerschaft zur Welt kam, nach Ägypten evakuiert worden war. Sie starb im folgenden Monat.
Ihr Ehemann Jabri Badr sagte, Ärzte hätten ihnen mitgeteilt, dass sie „an Kummer und Traurigkeit gestorben sei“. „Seitdem er in ihrem Leib war, dachte sie an ihn, träumte davon, ihn in den Armen zu halten, mit ihm zu spielen und zu spüren, wie es ist, Mutter zu sein“, sagte er. Ibrahim ist nun mit seinem Vater in Gaza wiedervereint, doch Badr sagte, sie hätten Schwierigkeiten gehabt, eine Verbindung aufzubauen. „Er sollte mich Vati nennen. Heute sagt er nicht einmal Vati oder sonst etwas. Ich sage ihm, er soll kommen, und er ignoriert mich.“
Arafat Abu Mashayikh, ein auf psychische Gesundheit spezialisierter Experte mit Sitz im Gazastreifen, sagte, es sei natürlich, dass es nach zwei Jahren Trennung Zeit brauche, damit Eltern eine Verbindung zu ihren Kindern aufbauen können. Bissan, Ibrahim und die anderen „wurden nicht nur der Muttermilch beraubt, sondern auch der Umarmung und der emotionalen Entwicklung, die damit einhergeht“, sagte Abu Mashayikh.
Die Rückkehr nach Gaza als Kleinkind bedeutete für Bissan, das Leben in einer Kriegszone zu erlernen, in der es trotz des vor einem Jahr zwischen Israel und Hamas vereinbarten Waffenstillstands weiterhin israelische Luftangriffe gab. Sundus sagte, als Bissan zum ersten Mal die Detonationen hörte, sei sie minutenlang vor Angst erstarrt. Sie gerät immer noch in Panik, wenn in ihrer Nähe eine Ballonschale platzt. „Ihr Leben hat sich verändert. Ihr Leben bestand daraus, aufzuwachen und einzuschlafen angesichts des Tons von Explosionen, des Tons der zahlreichen Angriffe und Raketen“, sagte ihre Mutter.
An einem sonnigen Morgen kurz nach der Wiedervereinigung brachte ihre Mutter sie in einen kleinen Zoo im Zentrum Gazas. Bissan, die eine Brille mit rosafarbenem Gestell trägt, starrte staunend, als ein blauer Papagei sich an ihrem Arm festkrallte. An manchen Tagen gehen Bissan und Sundus bis zur Mittelmeerküste Gazas. An einem jüngeren Nachmittag hielten sie Hand in Hand, als sie dort spazierten, wo der Sand auf das Meer trifft. Bissan strahlte ein breites Lächeln aus, während sie auf den Horizont blickte.
Die Abende seien schwieriger, würden sie aber dennoch näher zusammenbringen, sagte Sundus. Wenn mitten in der Nacht Explosionen erklingen, wacht Bissan auf und sucht die Zuwendung ihrer Mutter. „Bissan hat begonnen zu verstehen, wer Mama wirklich ist, wer ihre Mutter wirklich ist“, sagte Sundus. „Ich bin die einzige Person in ihrem Leben. Ich bin es, die sie füttert, ihre Kleidung wechselt, ihr die Haare kämmt und mit ihr spielt.“
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass Gazas Imker nach der Kriegsverwüstung um ihren Neuanfang kämpfen. Der Imker Ibrahim al-Dabba hob demnach auf dem Dach eines kriegsbeschädigten Gebäudes in Gaza-Stadt vorsichtig einen Wabenrahmen an, während Bienen um ihn herum summten. „Bienen brauchen Bäume, wir züchten Bienen inmitten von Trümmern“, sagte der 49-Jährige. Für die Imker gehe es beim Wiederaufbau ihrer Lebensgrundlage um weit mehr als nur Honig, hieß es in dem Bericht.
Am 09.06.2026 berichtete aktien.news, dass Israel die historische Hafenstadt Tyros im Südlibanon angegriffen und dabei mindestens acht Menschen getötet hat. Das libanesische Gesundheitsministerium bestätigte die Opferzahl und erklärte, alle Todesopfer seien die Folge eines einzelnen Angriffs am östlichen Stadtrand gewesen. Es handelte sich um einen der tödlichsten israelischen Bombenangriffe auf Tyros seit Ausbruch des Krieges zwischen Israel und der Hisbollah am 2. März.
Am 03.08.2026 berichtete aktien.news, dass Israel seine militärischen Angriffe im Gazastreifen deutlich intensiviert hat – zu einem Zeitpunkt, an dem die Hamas Ende der Vorwoche einer Entwaffnung unter bestimmten Bedingungen zugestimmt hatte. Dies nähre ernsthafte Zweifel daran, ob die von US-Präsident Donald Trump verkündete Wiederbelebung eines lange verzögerten Friedensplans tatsächlich auf einem soliden Fundament stehe.
Was das für Anleger bedeutet
Der Bericht über Bissan und die anderen evakuierten Frühgeborenen enthält keine Unternehmensangaben, keine Aktienkennzahlen und keine Geldbeträge. Ein unmittelbarer Investmentbezug lässt sich daraus nicht ableiten. Für deutsche Privatanleger liefert die Geschichte dennoch eine Einordnung des Umfelds, in dem sich die im Archiv dokumentierten Entwicklungen abspielen.
Die früheren Berichte von aktien.news zeichnen das Bild einer Region, in der sich militärische und diplomatische Signale widersprechen. Während Ende Juli 2026 die wirtschaftliche Not im Gazastreifen am Beispiel der Imker beschrieben wurde, folgten Anfang August 2026 Hinweise auf eine Intensivierung der israelischen Angriffe – parallel zu einer bedingten Zusage der Hamas zur Entwaffnung. Im Juni 2026 weitete sich das Geschehen mit den Angriffen auf Tyros im Südlibanon auf einen zweiten Schauplatz aus.
Wer sein Depot breit über Regionen und Branchen streut, trägt solchen geopolitischen Unsicherheiten strukturell Rechnung. Konkrete Schlussfolgerungen für einzelne Werte lassen sich aus dem vorliegenden Material nicht ziehen, da es keine Angaben zu Unternehmen, Tickern oder Beträgen enthält. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ist damit ausdrücklich nicht verbunden.
Ausblick
Der Quelltext nennt keinen konkreten künftigen Termin. Er hält fest, dass der Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas vor einem Jahr vereinbart wurde und formell gilt, dass es aber weiterhin israelische Luftangriffe gab. Die von den Vereinten Nationen unterstützte Mission, mit der Bissan und zehn weitere Kinder im März dieses Jahres nach Gaza zurückgebracht wurden, ist abgeschlossen.
Für die betroffenen Familien steht nach Einschätzung des Experten Arafat Abu Mashayikh der langsame Aufbau der Bindung im Vordergrund. Er verweist darauf, dass es nach zwei Jahren Trennung Zeit brauche, bis Eltern und Kinder zueinanderfinden. Reuters will die Kinder nach eigenen Angaben in den folgenden Monaten weiter begleitet haben – ein Endpunkt dieser Beobachtung wird im Bericht nicht genannt.
Kurz erklärt
- Frühgeborene: Babys, die vor dem regulären Ende der Schwangerschaft geboren werden und medizinische Betreuung benötigen.
- Neonatologische Station: Spezialabteilung eines Krankenhauses für die Versorgung und Überwachung Neugeborener.
- Waffenstillstand: Vereinbarung zwischen Konfliktparteien, die Kampfhandlungen vorübergehend oder dauerhaft beendet.
