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Europas Investitionslücke wächst auf 1,4 Billionen Euro jährlich

Europäische Banken fordern Regulierungsreformen, während die jährliche Investitionslücke der Region auf einen neuen Rekordwert gestiegen ist.

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Europas Investitionslücke wächst auf 1,4 Billionen Euro jährlich

Die jährliche Investitionslücke in Europa hat einen neuen Höchststand erreicht: 1,4 Billionen Euro fehlen der Region laut einer Analyse des Beratungsunternehmens Oliver Wyman im Auftrag des Europäischen Bankenverbands (EBF). Damit wurde die Schätzung gegenüber früheren Werten deutlich nach oben korrigiert – 2024 lag die Zahl noch bei 800 Milliarden Euro, 2025 bei 1,2 Billionen Euro.

Laut EBF spiegelt die wachsende Lücke den steigenden Finanzierungsbedarf in zentralen Bereichen wider: Energie, Verteidigung, Digitalisierung und Industriekapazitäten. Diese Sektoren gelten als strategisch entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit Europas – und erfordern massive Investitionen in den kommenden Jahren.

Europäische Banken spielen dabei eine Schlüsselrolle: Rund 65 Prozent der Finanzierung für die Realwirtschaft werden in Europa durch Banken bereitgestellt. Dieser Anteil liegt deutlich über dem Niveau in den USA, wo Kapitalmärkte eine weitaus größere Rolle übernehmen.

Banken drängen auf Regulierungsreformen

Vor diesem Hintergrund fordern europäische Banken eine Vereinfachung des regulatorischen Rahmens. Der EBF argumentiert, dass bestehende Vorschriften die Kreditvergabe einschränken und damit die Fähigkeit der Banken begrenzen, die Investitionslücke zu schließen. Laut Verband könnten zusätzliche 150 Milliarden Euro an Kapital rund 20 Prozent des zusätzlichen Finanzierungsbedarfs in Europa decken.

Besonders konkret wird der EBF bei den Kapitalanforderungen: Eine Senkung der CET1-Kapitalanforderungen – also der harten Kernkapitalquote – um lediglich einen Prozentpunkt würde nach Verbandsangaben 95 Milliarden Euro freisetzen. Das CET1-Kapital gilt als wichtigster Puffer für Banken in Krisenzeiten und steht im Zentrum der internationalen Bankenregulierung.

Frankreich und Deutschland haben die Europäische Kommission bereits aufgefordert, ein ehrgeiziges „Paket zur Vereinfachung von Finanzdienstleistungen" vorzulegen. Ziel ist es, EU-Vorschriften übersichtlicher und weniger belastend zu gestalten. Eine Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors durch die Kommission wird für Juli erwartet, Gesetzesvorschläge sollen voraussichtlich 2027 folgen.

Regulierungsbehörden signalisieren Kursänderung

Die Regulierungsbehörden haben bereits erste Signale für eine Neuausrichtung gegeben. Im April skizzierte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) Maßnahmen zur Vereinfachung des aufsichtlichen Meldewesens, um die Belastung für Banken zu verringern. Im Dezember schlug auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Straffung der Regeln vor – allerdings ohne die allgemeinen Kapitalanforderungen zu lockern, was auf Kritik seitens der Kreditinstitute stieß.

Der EBF betont, dass er keine pauschale Deregulierung anstrebt. Der Verband fordert eine gezielte Vereinfachung und eine verbesserte Koordinierung zwischen den Regulierungsbehörden – bei gleichzeitiger Beibehaltung der nach der Finanzkrise eingeführten Schutzmechanismen. Damit grenzt sich Europa bewusst vom Kurs der USA ab, wo Regulierungen derzeit aktiv abgebaut und Kapitalvorschriften gelockert werden, um das Wachstum anzukurbeln.

Darüber hinaus drängt der EBF auf schnellere Fortschritte bei der Stärkung der europäischen Kapitalmärkte sowie bei der Vollendung der Bankenunion. Ein zentrales Element dabei ist die Einführung eines gemeinsamen europäischen Einlagensicherungssystems, das seit Jahren diskutiert wird, aber bislang nicht umgesetzt wurde.

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