Europäische Bankaktien: Warum sie 2026 attraktiver sind als US-Banken
Während US-Bankaktien unter Trumps Zollpolitik leiden, glänzen europäische Banken mit 66% Plus. Experten sehen weiteres Potenzial – besonders in Mittel- und Osteuropa.

Die politischen Turbulenzen rund um neue US-Zölle und geopolitische Spannungen haben den "Sell America"-Trend an den Börsen wiederbelebt. Doch während amerikanische Banken unter Druck geraten, zeigen ihre europäischen Pendants beeindruckende Stärke.
US-Banken enttäuschen trotz solider Zahlen
Die Quartalszahlen von Bank of America, Citigroup und Wells Fargo führten zunächst zu Kursverlusten von bis zu fünf Prozent. Benjie Creelan Sandford, Portfoliomanager bei Algebris, sieht darin jedoch keine fundamentale Schwäche, sondern lediglich eine taktische Neupositionierung der Anleger. Die Kurse haben sich inzwischen stabilisiert.
Europäische Banken laufen US-Konkurrenz davon
Der Performance-Vergleich fällt eindeutig aus: Der Euro Stoxx 600 Banks Index legte 2025 um beeindruckende 66 Prozent zu, während der Dow Jones Banks Index nur 28 Prozent schaffte. Spitzenreiter wie Société Générale (+155%) und Commerzbank (+130%) zeigen das enorme Potenzial europäischer Finanzwerte.
Übernahmefantasie treibt einzelne Titel
Die Commerzbank profitierte besonders von den Übernahmeplänen der UniCredit. Dies unterstreicht: Bank ist nicht gleich Bank. Während polnische und schwedische Institute nur moderat zulegten, verdoppelten sich andere Werte mehr als.
Fundamentaldaten besser denn je
Trotz der starken Kursentwicklung sind europäische Bankaktien nicht überbewertet. Mit einem KGV von knapp zehn für 2027 liegen sie im 20-Jahres-Durchschnitt – bei gleichzeitig besseren Fundamentaldaten als je zuvor. "Warum sollten sie nicht mit einem Aufschlag gehandelt werden?", fragt Sandford.
Mittel- und Osteuropa im Fokus
Die Milliarden-Investitionen Deutschlands in Infrastruktur und Rüstung könnten Spillover-Effekte in Nachbarländern auslösen. Banken wie die polnische PKO Bank oder die Erste Group aus Wien sind hier besonders gut positioniert. Höhere Produktionskapazitäten erfordern Kredite – ein Wachstumstreiber für regionale Finanzinstitute.
Ausblick auf die Berichtssaison
Ab Anfang Februar folgen die Zahlen der europäischen Schwergewichte: Santander und UBS am 4. Februar, BNP Paribas einen Tag später und HSBC am 25. Februar. Sandford erwartet, dass die Banken die hohen Markterwartungen erfüllen oder übertreffen werden.
Individuelle Selektion wird entscheidend
Für 2026 wird die Auswahl einzelner Titel noch wichtiger. Geografische Präsenz und Geschäftsmix entscheiden über zusätzliches Wachstum. Viele europäische Banken haben die Negativzinsphase genutzt, um effizienter zu werden – diese Hausaufgaben zahlen sich nun aus.
