Europäische Aktien unter Druck: Airbus und Rio Tinto mit deutlichen Verlusten
Paneuropäischer Index gibt nach Rekordhoch nach – Nestlé und Air France-KLM als positive Ausnahmen
Der paneuropäische STOXX-Index gab am Donnerstagmorgen um 0,26 Prozent auf 626,97 Punkte nach und korrigierte damit vom am Vortag erreichten Rekordhoch. Besonders deutliche Verluste verzeichneten Airbus und Rio Tinto, während Nestlé mit starken Quartalszahlen überzeugen konnte.
Airbus-Aktien brachen um 6,3 Prozent ein, nachdem der weltweit größte Flugzeugbauer sein wichtigstes Produktionsziel für Verkehrsflugzeuge senken musste. Das Unternehmen machte den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney dafür verantwortlich, dass keine entscheidende Liefervereinbarung zustande kam. Die Produktionskürzung belastet die Wachstumsperspektiven des europäischen Luftfahrtkonzerns erheblich.
Der Bergbausektor geriet ebenfalls unter Druck. Rio Tinto verlor 3,8 Prozent, nachdem der weltweit größte Eisenerzproduzent stagnierende Jahresgewinne vorlegte, die aufgrund schwächerer Eisenerzpreise hinter den Erwartungen zurückblieben. Der breitere Bergbauindex sank um 2,8 Prozent und führte damit die Verliererliste der Sektoren an.
Nestlé mit starkem Ausblick
Eine positive Ausnahme bildete der Nescafé-Hersteller Nestlé mit einem Kursplus von fast 3 Prozent. Das Schweizer Unternehmen überzeugte mit einem über den Erwartungen liegenden Umsatzwachstum im vierten Quartal und kündigte den Verkauf seines Speiseeisgeschäfts an. Für 2026 peilt Nestlé ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 4 Prozent an.
"Das wäre eines der solidesten Jahre seit geraumer Zeit. Auch die operativen Margen sollen stabil bleiben – genau das, was die Anleger sehen wollen", kommentierte Michael Field, Chefstratege für europäische Aktien bei Morningstar. Die Entwicklung zeige, dass große Konsummarken nach wie vor gesund seien und von den Verbrauchern wieder in einem gesunden Tempo gekauft würden.
Die Gewinnerwartungen für europäische Unternehmen haben sich im Laufe der aktuellen Berichtssaison deutlich verbessert. Analysten rechnen laut LSEG nun mit einem Rückgang der Quartalsgewinne um 0,6 Prozent im Jahresvergleich – zu Monatsbeginn waren noch minus 4 Prozent prognostiziert worden.
Geopolitische Spannungen belasten
Die Märkte zeigten sich weltweit besorgt angesichts verstärkter militärischer Aktivitäten der USA und des Iran im ölreichen Nahen Osten. Allerdings gab es bei den Gesprächen über das Teheraner Atomprogramm in Genf erste Anzeichen von Fortschritten. Europäische Energiewerte notierten leicht fester und folgten damit einem Anstieg der Rohölpreise um 1,4 Prozent.
Air France-KLM und Orange überzeugen
Zu den größten Gewinnern des Tages zählte Air France-KLM mit einem Kurssprung von 16 Prozent. Die französisch-niederländische Fluggesellschaft meldete einen Rekord-Betriebsgewinn in einem über den Erwartungen liegenden Jahresergebnis. Der französische Telekommunikationskonzern Orange kletterte um 4 Prozent auf ein Fast-16-Jahres-Hoch, nachdem das Unternehmen einen organischen Cashflow von rund 5,2 Milliarden Euro bis 2028 in Aussicht stellte.
Auf der Verliererseite stand der niederländische Anbieter für nachhaltiges Design Arcadis mit einem Minus von 15 Prozent. Das Unternehmen blieb mit seinem Umsatzausblick für 2025 hinter den Analystenerwartungen zurück.
Im weiteren Tagesverlauf erwarten Marktteilnehmer erste Schätzungen zur Geschäftstätigkeit in der Eurozone für Februar. Von Reuters befragte Ökonomen gehen davon aus, dass die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe eine Expansion gegenüber dem Vormonat widerspiegeln wird.
