Europäische Aktien steigen stark nach USA-Iran-Waffenstillstand
Erleichterung an den Märkten: DAX springt um 5,3 Prozent, nachdem USA und Iran eine vorübergehende Waffenruhe vereinbarten.

Europäische Aktien haben am Mittwoch kräftig zugelegt, nachdem sich die USA und der Iran auf einen vorübergehenden Waffenstillstand geeinigt haben. Der paneuropäische Stoxx 600 stieg um 4,4 Prozent, der deutsche DAX kletterte sogar um 5,3 Prozent. Der französische CAC 40 legte um 4,9 Prozent zu, während der britische FTSE 100 ein Plus von 3,1 Prozent verzeichnete. Die Gewinne folgten starken Kursanstiegen an den asiatischen Märkten sowie positiven US-Aktienfutures.
Die Einigung kam am Dienstagabend zustande, nachdem US-Präsident Donald Trump zuvor gedroht hatte, die gesamte „Zivilisation" des Irans auszulöschen, sollte das Land die Straße von Hormus nicht öffnen. Pakistan fungierte als Vermittler zwischen Washington und Teheran. Nachdem der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif Trump aufgefordert hatte, von seiner für Dienstag 20:00 Uhr Eastern Time gesetzten Frist abzurücken, versprach der US-Präsident, seine Angriffe auf den Iran für zwei Wochen auszusetzen.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte, Teheran werde seine „Verteidigungsoperation einstellen" und eine „sichere Passage" durch die Straße von Hormus ermöglichen, sofern die Schifffahrt in Abstimmung mit dem iranischen Militär erfolge. Premierminister Sharif lud US-amerikanische und iranische Regierungsvertreter für Freitag zu Gesprächen nach Islamabad ein. Das Abkommen bietet beiden Seiten damit Raum, um über einen langfristigen Friedensvertrag zu verhandeln.
Ölpreis fällt unter 100 Dollar – bleibt aber erhöht
Israel, das Ende Februar gemeinsam mit den USA einen Angriff auf den Iran gestartet hatte, unterstützte Trumps Entscheidung. Das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu bestätigte dies in einer offiziellen Erklärung. Ausgenommen vom Kommentar blieb jedoch der Libanon, wo die mit dem Iran verbündete Hisbollah weiterhin Ziel israelischer Angriffe war.
Die Terminkontrakte der Sorte Brent, die globale Benchmark für Rohöl, gaben deutlich nach und fielen unter die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Der Kontrakt war zuvor aufgrund der Sorgen über eine wochenlange faktische Sperrung der Straße von Hormus stark gestiegen und liegt damit noch immer deutlich über dem Vorkriegsniveau. Durch die Meerenge vor der Südküste des Irans wird etwa ein Fünftel des weltweiten Erdöls transportiert – eine Schließung hätte die globale Energieversorgung erheblich beeinträchtigt.
Bedeutung für Europa und die Weltwirtschaft
Auch die Renditen wichtiger Staatsanleihen in Deutschland und Frankreich gaben nach, was die Aktienmärkte zusätzlich stützte. Anleiherenditen und Kurse bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen – sinkende Renditen signalisieren eine erhöhte Nachfrage nach sicheren Anlagen und gleichzeitig eine Entspannung der Risikowahrnehmung.
Für Europa ist die Entwicklung besonders relevant, da der Kontinent Erdgas aus dem Persischen Golf bezieht – insbesondere aus Katar, wo die Energieinfrastruktur zuvor Ziel iranischer Angriffe war. Viele Analysten hatten befürchtet, dass eine Eskalation des Konflikts den Inflationsdruck erhöhen und die Weltwirtschaft belasten könnte. Auch die asiatischen Märkte, die in hohem Maße auf Öl- und Gasimporte durch die Straße von Hormus angewiesen sind, verzeichneten am Mittwoch deutliche Kursgewinne.
Der Waffenstillstand unterbricht einen Konflikt, der seit über einem Monat andauerte und globale Finanzmärkte in Alarmbereitschaft versetzt hatte. Ob die zweiwöchige Feuerpause in einen dauerhaften Frieden mündet, bleibt abzuwarten – die für Freitag geplanten Gespräche in Islamabad gelten als erster wichtiger Test.
