Europäische Konzerne schmieden Allianz für Satellitenproduktion
Leonardo, Thales und Airbus bereiten milliardenschweres Gemeinschaftsunternehmen gegen internationale Konkurrenz vor

Die europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerne Leonardo, Thales und Airbus haben sich nach Angaben aus Unternehmenskreisen grundsätzlich auf die Gründung eines gemeinsamen Satellitenunternehmens verständigt. Damit rückt ein seit Langem geplantes Projekt voran, das den europäischen Raumfahrtsektor stärken und im internationalen Wettbewerb positionieren soll. Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten, dass eine erste Übereinkunft zwischen den Partnern erzielt wurde. Eine offizielle Bestätigung der Konzerne steht bislang aus, doch bei Leonardo soll das Thema bereits am Dienstag in einer außerordentlichen Vorstandssitzung behandelt werden.
Das Vorhaben, das unter dem internen Namen „Projekt Bromo“ läuft, zielt darauf ab, eine europäische Antwort auf die dominierenden Anbieter aus den USA und China zu schaffen. Insbesondere die Konkurrenz durch Systeme wie Elon Musks Starlink habe den Druck auf die europäischen Unternehmen erhöht, ihre Kräfte zu bündeln. Reuters hatte zuvor berichtet, dass das entstehende Gemeinschaftsunternehmen einen geschätzten Wert von rund zehn Milliarden Euro erreichen könnte. Die neue Struktur soll die Wettbewerbsfähigkeit Europas im Bereich der Satellitenkommunikation langfristig sichern.
Kern des Projekts ist die Zusammenlegung wesentlicher Sparten der beteiligten Konzerne. Dazu gehören die Airbus-Töchter Airbus Space Systems und Airbus Intelligence, der Satellitenhersteller Thales Alenia Space sowie das Raumfahrtgeschäft von Leonardo. Mit dieser Fusion entstünde ein neuer Branchenakteur, der über große technische und finanzielle Ressourcen verfügen würde. Bereits im September hatte Michael Schöllhorn, Chef der Verteidigungs- und Raumfahrtsparte von Airbus, erklärt, eine Einigung könne noch im laufenden Jahr erfolgen. Damals betonte er, dass die Gespräche weit fortgeschritten seien. Thales hatte jedoch erst vor wenigen Tagen erklärt, es gebe noch keine endgültige Entscheidung.
Leonardo verfolgt schon seit einiger Zeit eine Strategie engerer Kooperationen mit europäischen Partnern. Die zunehmende Nachfrage nach Rüstungsgütern und verteidigungsrelevanter Technologie hat den Konzern veranlasst, bestehende Allianzen auszubauen. So arbeitet Leonardo etwa im Bereich der Kampfpanzer mit dem deutschen Hersteller Rheinmetall zusammen. In diesem Segment werden milliardenschwere Aufträge des italienischen Heeres erwartet. Rheinmetall-Chef Armin Papperger bezeichnete das gemeinsame Projekt als möglichen Auftakt zu einer umfassenderen Konsolidierung der europäischen Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie.
Mit der geplanten Allianz im Satellitensektor setzen Leonardo, Thales und Airbus nun auch im zivilen und militärischen Raumfahrtgeschäft ein Signal für stärkere europäische Zusammenarbeit und strategische Eigenständigkeit.
