Europa setzt auf Touristen aus China und Indien statt USA
US-Reisende verlieren Interesse – Asiatische Märkte sollen Wachstum von 6,2 Prozent sichern

Der europäische Tourismusmarkt erlebt eine bedeutende Verschiebung: Während das Interesse amerikanischer Reisender nachlässt, kompensieren chinesische und indische Touristen den Rückgang. Laut einer aktuellen Umfrage der European Travel Commission (ETC) sollen die internationalen Ankünfte in Europa 2026 um 6,2 Prozent steigen.
Die Zahlen zeigen einen klaren Trend: Ankünfte aus China werden voraussichtlich um 28 Prozent zunehmen, aus Indien um 9 Prozent. Demgegenüber steht lediglich ein erwartetes Wachstum von 4,2 Prozent bei amerikanischen Reisenden. Dies markiert das Ende eines Post-Pandemie-Booms, der durch den starken US-Dollar und die wirtschaftliche Stabilität in Nordamerika befeuert wurde.
Daten der Luftfahrt-Analyseplattform Cirium belegen die Entwicklung konkret: Zwischen dem 7. Oktober und Ende Januar gingen die Buchungen von Europa in die USA um 14,2 Prozent zurück. In umgekehrter Richtung sanken die Buchungen um 7,3 Prozent. Wirtschaftliche Sorgen und geopolitische Unsicherheiten dämpfen die Reisebereitschaft der Amerikaner.
Qualität statt Quantität im Fokus
Trotz rückläufiger US-Besucherzahlen zeigt sich der europäische Tourismusmarkt robust. Die Reiseausgaben in Europa stiegen 2025 um 9,7 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass Touristen verstärkt auf hochwertige Erlebnisse setzen. "Europa zeichnet sich weiterhin als verlässliches Reiseziel aus und ist gut positioniert, um auf die sich wandelnde Nachfrage nach flexibleren Reisen und erlebnisorientierten Touren zu reagieren", erklärt Miguel Sanz, Leiter der European Travel Commission.
Dieser Trend zur Premiumisierung bestätigt sich auch bei großen europäischen Fluggesellschaften. Lufthansa und Air France-KLM berichten von steigenden Buchungen in ihren Premium-Angeboten, während die Economy-Klasse bei Transatlantikflügen Einbußen verzeichnet. Air France-KLM wird am Donnerstag seine Jahresergebnisse für 2025 präsentieren und damit weitere Einblicke in diese Entwicklung geben.
Strategische Neuausrichtung der Branche
Die europäische Tourismusbranche reagiert auf die veränderte Nachfragestruktur. Der Fokus liegt zunehmend auf Langstreckenreisenden aus aufstrebenden asiatischen Märkten, die bereit sind, für exklusive Erlebnisse mehr zu zahlen. Diese Diversifizierung der Herkunftsmärkte könnte sich als strategischer Vorteil erweisen und Europa weniger abhängig von einzelnen Quellmärkten machen.
Die Kombination aus steigenden Ausgaben pro Reisenden und der Erschließung neuer Wachstumsmärkte in Asien deutet darauf hin, dass der europäische Tourismus trotz geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlicher Herausforderungen auf einem soliden Fundament steht.
