EU plant Stresstest für Schattenbanken
Erstmals sollen Risiken außerhalb des Bankensektors systematisch geprüft werden

Mehrere Aufsichtsbehörden in der Europäischen Union bereiten derzeit einen möglichen Stresstest für sogenannte Schattenbanken vor. Ziel ist es, Risiken zu identifizieren, die von Finanzakteuren außerhalb des klassischen Bankensektors ausgehen. Zu diesen sogenannten Nichtbanken zählen unter anderem Hedgefonds, Pensionsfonds, Private-Equity-Gesellschaften sowie Kredit- und Geldmarktfonds. Anders als traditionelle Banken haben diese Einrichtungen keinen Zugang zur Geldschöpfung oder zur Refinanzierung bei Zentralbanken. Außerdem gelten für sie meist keine oder nur sehr geringe Eigenkapitalanforderungen.
Schattenbanken agieren häufig in Bereichen, die von klassischen Banken gemieden werden, etwa bei der Kreditvergabe an Unternehmen mit geringer Bonität. Dies verspricht hohe Renditen, birgt aber ebenso hohe Risiken. Nach Angaben des Finanzstabilitätsrats macht dieser Sektor mittlerweile rund die Hälfte des globalen Finanzsystems aus. Damit steigt auch seine Relevanz für die Stabilität der gesamten Finanzmärkte. Die Europäische Zentralbank hatte bereits in einem aktuellen Bericht vor möglichen Problemen bei Nichtbanken gewarnt, insbesondere in einem angespannten wirtschaftlichen Umfeld.
Die EZB fordert daher eine stärkere Überwachung und eine bessere Liquiditätsvorsorge für diese Akteure. Insbesondere bei Marktverwerfungen könnten Schattenbanken schneller in Liquiditätsengpässe geraten als klassische Banken. Die zunehmende Verflechtung von Nichtbanken mit dem traditionellen Bankensektor wird von Aufsehern ebenfalls kritisch gesehen. Durch Kreditvergabe und Investitionen sind viele klassische Banken eng mit Schattenbanken verbunden, was potenziell systemische Risiken zur Folge haben kann.
Derzeit unterziehen sich Banken jährlich einem Stresstest, bei dem simuliert wird, wie sie auf wirtschaftliche Krisenszenarien reagieren würden. Für Schattenbanken gab es bislang keine vergleichbaren Tests. Diese Lücke soll nun geschlossen werden. Der erste EU-weite Stresstest für Nichtbanken könnte laut einem Bericht der „Financial Times“ bereits im Jahr 2026 durchgeführt werden. Einzelheiten zur konkreten Ausgestaltung sind bisher noch nicht bekannt. In Großbritannien hatte die Notenbank bereits 2023 einen ähnlichen Versuch unternommen. Auslöser war ein Anleihecrash im Jahr 2022, bei dem mehrere Pensionsfonds in Schwierigkeiten geraten waren. Die Erfahrungen aus dem Vereinigten Königreich dürften auch in die Planungen der EU-Behörden einfließen.
