EU führt Paketgebühr für Billigimporte ein
Neue Abgabe soll Zoll entlasten und Wettbewerb mit China-Plattformen regulieren

Die Europäische Union plant die Einführung einer Pauschalgebühr auf kleine Pakete, die überwiegend aus Drittstaaten, insbesondere aus China, in die EU eingeführt werden. Ziel dieser Maßnahme ist es, die stark gestiegene Zahl von Kleinsendungen zu regulieren und gleichzeitig die Belastungen der Zollbehörden zu verringern. Der zuständige EU-Handelskommissar Maros Sefcovic hat einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt, der zwei verschiedene Gebührensätze vorsieht: Für Artikel, die an zentrale Lager gesendet werden, soll eine Abgabe von 0,50 Euro gelten. Direkt an Verbraucher gelieferte Waren sollen mit einer Pauschale von 2,00 Euro pro Paket belegt werden.
Die vorgeschlagene Gebühr betrifft vor allem den Online-Handel mit Billigwaren, wie ihn Plattformen wie Temu und Shein betreiben. Diese Anbieter verschicken täglich Millionen von Kleinstpaketen zu niedrigen Preisen in die Europäische Union. Die EU-Kommission beziffert die Zahl der im Jahr 2024 importierten Sendungen mit einem Warenwert unter 22 Euro auf rund 4,6 Milliarden Stück. Etwa 90 Prozent dieser Lieferungen stammten aus China. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich das Aufkommen dieser Kleinsendungen mehr als verdoppelt.
Ein Teil der durch die neue Gebühr generierten Einnahmen soll zur Finanzierung der erhöhten Zollkontrollen verwendet werden. Der verbleibende Anteil soll dem Haushalt der Europäischen Union zugutekommen. Die Maßnahme ist auch eine Reaktion auf die anhaltende Kritik europäischer Einzelhändler, die sich über unfaire Wettbewerbsbedingungen beklagen. Diese Händler sehen sich durch die große Zahl zollfreier Billigimporte aus Fernost in ihrer Wettbewerbsfähigkeit bedroht.
Die EU begründet die geplante Reform zudem mit dem Verweis auf die Qualität und Sicherheit der importierten Waren. Zahlreiche Produkte, die über Plattformen wie Temu und Shein vertrieben werden, entsprechen laut Einschätzung der EU nicht den geltenden europäischen Standards. Immer wieder werden Fälle gemeldet, in denen importierte Waren als gesundheitsschädlich oder gefährlich eingestuft werden. Mit der geplanten Pauschalgebühr will die EU einen Schritt hin zu mehr Fairness und Sicherheit im grenzüberschreitenden Online-Handel gehen. Der Vorschlag befindet sich derzeit in der politischen Abstimmung.
