EU-Banken: Barclays sieht trotz 68% Rally weiteres Potenzial
Europäische Banken haben seit 2021 außergewöhnliche 68% zugelegt und dabei 30% zur Gesamtperformance europäischer Aktien beigetragen. Barclays bleibt trotz der starken Rally optimistisch und sieht weiteres Aufwärtspotenzial für den Sektor.

Europäische Banken gehören zu den absoluten Gewinnern der vergangenen fünf Jahre. Der Bankensektor-Index SX7P legte 2025 um beeindruckende 68% zu, während der breite europäische Aktienindex SXXP nur 16% zulegte. Damit steuerten Finanzwerte seit 2021 rund 30% zu den Gesamtrenditen europäischer Aktien bei – mehr als jeder andere Sektor.
Barclays behält trotz dieser Rally eine "Overweight"-Empfehlung für europäische Banken bei. Die Analysten räumen zwar ein, dass "die Messlatte für weitere Zuwächse höher liegt", sehen aber weiterhin Aufwärtspotenzial. Die Bewertung spreche nach wie vor für den Sektor.
Attraktive Bewertung trotz starker Performance
Die Bewertungskennzahlen zeigen ein differenziertes Bild. Europäische Banken handeln mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das etwa 15% unter ihrem langfristigen relativen Durchschnitt liegt. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) ist auf knapp über 1x zurückgekehrt.
Besonders interessant: Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite (ROE) liegt bei rund 12%. "Dies impliziert ein KBV von nahezu 2x, basierend auf den Niveaus vor der globalen Finanzkrise", so die Barclays-Analysten. Die Bewertungslücke deutet auf weiteres Potenzial hin.
Höhere Profitabilität bei geringeren Risiken
Ein entscheidender Unterschied zu früheren Zyklen: Europäische Banken sind heute profitabler als vor der Finanzkrise 2008, gemessen an der Gesamtkapitalrendite (ROA). Gleichzeitig arbeiten sie mit deutlich solideren Bilanzen.
"Die höhere Profitabilität wird mit geringeren Risiken erzielt", betonen die Analysten. Die Banken sind weniger gehebelt, verfügen über höhere Liquidität und unterliegen einem strengeren Regulierungs- und Aufsichtsrahmen. Die CET1-Kernkapitalquote lag laut Europäischer Bankenaufsichtsbehörde (EBA) im dritten Quartal 2025 bei robusten 16,3%.
Zweistelliges Gewinnwachstum erwartet
Barclays prognostiziert für die durchschnittliche europäische Bank ein Gewinnwachstum je Aktie (EPS) von 9% für 2026 und 13% für 2027. Dies folgt auf ein moderates Wachstum von 4% im Jahr 2025. Die Konsenserwartung von 11% EPS-Wachstum für 2026 liegt "deutlich unter den historischen Durchschnittswerten zu Jahresbeginn".
Bei den Kapitalrückführungen lieferten die Banken im vergangenen Jahr eine Gesamtrendite von etwa 7% durch Dividenden und Aktienrückkäufe. Damit lagen sie auf Platz zwei, nur übertroffen vom Energiesektor. Für den Zeitraum 2025 bis 2027 rechnet Barclays mit einer kumulierten Gesamtrendite von 23%, was durchschnittlich 7% pro Jahr entspricht.
Analystenstimmung bleibt konstruktiv
Die Stimmung unter Analysten zeigt sich weiterhin positiv. Für die durchschnittliche europäische Bank lauten 56% der Ratings auf "Kaufen". Dies unterstreicht das Vertrauen in die Ertragskraft und die Geschäftsmodelle der Institute.
Die Kombination aus attraktiver Bewertung, solider Kapitalausstattung und zweistelligem Gewinnwachstum spricht nach Ansicht von Barclays für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung – wenn auch möglicherweise in moderaterem Tempo als in den vergangenen fünf Jahren.
