Esper sieht kein Ende des Iran-Krieges – und warnt vor China
Der frühere US-Verteidigungsminister Mark Esper rechnet mit einem jahrelangen Konflikt und sieht China als eigentlichen Nutznießer.

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran könnte sich noch über Jahre hinziehen. Diese Einschätzung vertritt Mark Esper, der unter Präsident Donald Trump als US-Verteidigungsminister diente. Gegenüber dem US-Sender CNBC sagte Esper, ein Ende des Konflikts sei „in absehbarer Zukunft“ nicht erkennbar. Zugleich warnte er, die Fixierung Washingtons auf den Nahen Osten lenke von der eigentlichen strategischen Herausforderung ab: China, das er als „größten Gegner“ der Vereinigten Staaten bezeichnete.
Esper äußerte sich am Donnerstag während einer Podiumsdiskussion auf dem GZERO Summit der LSEG und der Eurasia Group in London. Dort sagte er, er sehe die Auseinandersetzung bis „weit ins Jahr 2027“ andauern – mit der Möglichkeit, dass sie an die nächste US-Regierung in drei Jahren weitergegeben werde. „Irgendwann werden wir einen Punkt erreichen, an dem vielleicht beide Seiten bereit sind, an den Verhandlungstisch zu kommen und eine gütliche Einigung zu finden“, sagte er. Die Herausforderung für Präsident Trump bestehe jedoch darin, ein Abkommen auszuhandeln, das die Straße von Hormus in den Status quo vor dem Konflikt zurückversetze – „was sehr schwierig sein wird“ – und das zugleich besser sei als das, was Ex-Präsident Barack Obama aus dem JCPOA, dem iranischen Atomabkommen, herausgeholt habe. „Ich denke, auch das wird sehr schwierig“, so Esper.
Der Konflikt befindet sich inzwischen im achten Monat und hat nach Espers Worten eine Pattsituation erreicht. Trump hatte am Mittwoch erklärt, ein Abkommen mit Teheran sei „nicht wirklich etwas, das ich tun möchte“. Berichten zufolge erwägen US-Beamte die Wiederaufnahme großflächiger militärischer Operationen in den kommenden Wochen.
Die Details
Esper kennt das Pentagon aus erster Hand: Er amtierte von Juli 2019 bis November 2020 als US-Verteidigungsminister in der ersten Amtszeit von Trump. Lange Zeit befürwortete er eine Politik des „wirtschaftlichen Ersticken“ des Iran. Genau diese Strategie hält er grundsätzlich weiterhin für den richtigen Weg – doch er sieht sie durch mangelnde Ausdauer in Washington gefährdet. „Die Herausforderung besteht darin, dass diese Politik Zeit, Disziplin und Geduld erfordert, und das sind Dinge, bei denen die Bundesstaaten typischerweise nicht gut abschneiden“, sagte er. Lasse man es zu, könne die Politik durchaus Wirkung entfalten. „Das bedeutet nicht, dass es sie tatsächlich wieder an den Verhandlungstisch bringen wird, was mein Ziel wäre, aber es ist derzeit die schlechteste aller Optionen.“
Zur Lage vor Ort sagte Esper, der Krieg gehe „in diesem Tempo weiter, wobei wir die amerikanische Blockade fortbestehen sehen, gelegentliche Ausbrüche auf beiden Seiten beobachten und der Konflikt sich hinzieht“. Bereits im Sommer hatte Trump eine Verschärfung der Sanktionen und wirtschaftlichen Beschränkungen gegen den Iran angekündigt, eine Strategie, die er als „Economic D-Day“ bezeichnete. Die Regierung rühmt seither den Erfolg ihrer Strategien im Wirtschaftskrieg.
Deutlich schärfer fielen Espers Warnungen mit Blick auf Peking aus. Amerikas „größter Gegner“ baue seine Fähigkeiten aus, während die Aufmerksamkeit in Washington auf den Iran-Krieg gerichtet sei. „China ist unser größter Gegner“, sagte er. „Es ist die lauernde Bedrohung, der wir keine Aufmerksamkeit schenken, weil wir uns so stark – und das schon seit über 20 Jahren – auf den Nahen Osten konzentrieren, und Europa konzentriert sich auf Russland.“ Peking baue weiterhin seine wirtschaftliche, technologische und diplomatische Macht auf und habe „die größte Militäraufstockung in der Geschichte“ durchgeführt.
„Wir achten einfach nicht genug auf die Chinesen“, sagte Esper gegenüber CNBC. „Sie haben uns mitgeteilt, dass sie bis 2049 die Indo-Pazifik-Region und die Welt nach allen Maßstäben dominieren wollen. Sie wollen die Fäden in der Hand halten und die globale Governance diktieren.“ China arbeite mindestens seit 30 Jahren in diese Richtung. „Zumindest seit ihrem Eintritt in die WTO haben sie das Welthandelssystem gegen uns genutzt, um ihre eigene wirtschaftliche und militärische Macht aufzubauen, und sie haben einen Spielplan“, sagte Esper.
Er hob Beijings Dominanz in bestimmten Branchen und Gütern hervor, darunter Elektrofahrzeuge, Seltene Erden, Solarmodule und kritische Materialien. Dies sei der chinesischen Regierung durch die Fähigkeit gelungen, die Kontrolle zu „konsolidieren“ und die Wirtschaft des Landes in eine bestimmte Richtung zu lenken. „Sie haben einen Spielplan, und sie führen ihn aus“, sagte Esper. „Ich würde unsere Anstrengungen auf China konzentrieren und dies in Partnerschaft mit unseren europäischen und asiatischen Verbündeten tun, was nicht nur militärische [Bündnisse], sondern auch diplomatische, wirtschaftliche und technologische Aspekte umfassen würde.“ CNBC bat die Regierungen der USA und Chinas um Kommentare.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.03.2026 berichtete aktien.news, dass Trump den Konflikt mit dem Iran nach einem Bericht des Wall Street Journal als in seiner Endphase betrachtete und seine Berater intern auf einen Zeitplan von vier bis sechs Wochen drängte, um den Krieg zu beenden. Er habe einen langwierigen Konflikt unbedingt vermeiden wollen; ein für Mitte Mai angesetzter Gipfel mit China sei ebenfalls auf diesen Rahmen abgestimmt worden.
Am 25.07.2026 meldete aktien.news, dass sich der Konflikt bereits in den fünften Monat zog und die Kämpfe an Intensität gewannen statt nachzulassen. Trump zeigte sich damals zunehmend frustriert über die anhaltenden Kämpfe, äußerte öffentlich Unmut über jüngste US-Verluste und stand einer Wiederaufnahme von Verhandlungen skeptisch gegenüber. Eine Waffenruhe war zuletzt gescheitert, seitdem stockte auch der diplomatische Prozess.
Am 13.08.2026 berichtete aktien.news, dass Trump auf seiner Plattform Truth Social erklärte, die Vereinigten Staaten hätten die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus, und andeutete, diese Kontrolle beibehalten zu wollen. Er beschrieb die US-Seeblockade als etwas, das von allen als „EINE MAUER AUS STAHL“ bezeichnet werde, und betonte, der Iran könne der amerikanischen Präsenz nichts entgegensetzen.
Am 21.08.2026 folgte die Meldung, dass Trump zur Durchbrechung des Patts einen „wirtschaftlichen D-Day“ ankündigte: Jedem Land, das Geschäfte mit dem Iran tätigt, drohten „erhebliche“ wirtschaftliche Konsequenzen. Der Iran stehe jedoch seit Langem unter Sanktionen und habe bisher gezeigt, dass er bereit ist, Schmerzen zu ertragen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die wichtigste Botschaft, dass die geopolitischen Unsicherheiten nach Espers Einschätzung nicht kurzfristig verschwinden. Ein Konflikt, der sich „weit ins Jahr 2027“ ziehen kann, bedeutet anhaltende Nervosität an den Märkten und eine schwer kalkulierbare Gemengelage für exportorientierte Unternehmen. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten und stand auch nach Trumps Darstellung im Zentrum des Streits um den Status quo vor dem Konflikt.
Zugleich benennt Esper Felder, die für Anleger relevant sind: Elektrofahrzeuge, Seltene Erden, Solarmodule und kritische Materialien. In diesen Bereichen sieht er China in einer dominierenden Position, weil die Regierung in Peking die Kontrolle „konsolidiert“ und die heimische Wirtschaft gezielt ausgerichtet habe. Für Industrieunternehmen in Deutschland, die auf Vorprodukte und Rohstoffe angewiesen sind, bleibt das ein struktureller Faktor – unabhängig davon, wie der Iran-Krieg ausgeht. Dies ist ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, sondern eine Einordnung der im Quelltext genannten Risikofelder.
Ausblick
Esper erwartet, dass der Konflikt „in diesem Tempo“ weiterläuft: mit fortbestehender amerikanischer Blockade, gelegentlichen Ausbrüchen auf beiden Seiten und einem sich hinziehenden Krieg. Als möglichen Pfad nennt er eine Weitergabe an die nächste US-Regierung im Jahr 2029, sollte Trump kein Abkommen schließen wollen oder können. Berichten zufolge erwägen US-Beamte zudem die Wiederaufnahme großflächiger militärischer Operationen in den kommenden Wochen. Trump selbst hatte am Mittwoch gesagt, ein Abkommen mit Teheran sei „nicht wirklich etwas, das ich tun möchte“. Esper wiederum plädiert dafür, die eigenen Anstrengungen auf China zu konzentrieren – gemeinsam mit europäischen und asiatischen Verbündeten, auch auf diplomatischem, wirtschaftlichem und technologischem Feld.
Kurz erklärt
- JCPOA: Das iranische Atomabkommen, aus dem nach Espers Worten Ex-Präsident Barack Obama etwas herausgeholt hat und das Trump mit einem neuen Abkommen übertreffen müsste.
- Straße von Hormus: Meerenge am Persischen Golf, die als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten gilt und im Zentrum des Streits um den Status quo vor dem Konflikt steht.
- Seltene Erden: Rohstoffgruppe, in der China nach Espers Darstellung eine dominierende Stellung aufgebaut hat.
