Eskom fördert Rechenzentren: Südafrika als Tor zu Afrika
Südafrikas Energieversorger Eskom kündigt Maßnahmen zur Förderung von Rechenzentren an – das Land sieht sich als afrikanisches Datendrehkreuz.

Der staatliche südafrikanische Energieversorger Eskom wird in Kürze eine bedeutende Ankündigung zur Förderung des Baus von Rechenzentren in Südafrika machen. Dies gab Minister für Elektrizität und Energie, Dr. Kgosientsho Ramokgopa, auf der Windkraftkonferenz Windaba 2026 im Cape Town International Convention Centre bekannt. Die Regierung ist überzeugt, dass Südafrika mindestens 0,4 GW der wachsenden weltweiten Nachfrage nach Rechenzentren für sich gewinnen kann – möglicherweise sogar mehr.
Ramokgopa betonte dabei, dass die mit Rechenzentren verbundenen Wasserprobleme berücksichtigt worden seien. Das genutzte Wasser werde recycelt, versicherte er den Delegierten. Südafrika verfügt zudem über eine starke Glasfaseranbindung, und alle afrikanischen Netzbetreiber sind im Land vertreten – ideale Voraussetzungen, um als Tor zu Afrika für den Rechenzentrumsektor zu fungieren.
Rechenzentren als globaler Treiber der Stromnachfrage
Laut Ramokgopa zählen Rechenzentren weltweit zu den Haupttreibern der wachsenden Stromnachfrage. Weitere Sektoren, die dieses Wachstum vorantreiben, sind Verkehr, Industrie, Bauwesen und Kühlung. Die relativen Beiträge der einzelnen Sektoren variieren dabei von Region zu Region und von Land zu Land.
Besonders bemerkenswert: In allen Regionen wird die Stromnachfrage deutlich steigen, doch nur in Afrika und Lateinamerika wird sich dieses Wachstum im Zeitraum von 2030 bis 2039 weiter beschleunigen. In allen anderen Regionen fällt das Wachstum dann langsamer aus als im Zeitraum von 2020 bis 2029. Insgesamt wird erwartet, dass die weltweite Stromnachfrage bis 2039 um 7,4 PWh (Petawattstunden) steigen wird – eine enorme Größenordnung, die den globalen Energiesektor vor massive Herausforderungen stellt.
Innerhalb Afrikas sind die Länder mit dem höchsten Stromzugang und -verbrauch Südafrika, Ägypten, Marokko, Tunesien und Ghana. Südafrika allein macht 22 Prozent der gesamten afrikanischen Stromnachfrage – einschließlich Nordafrika – aus. Ramokgopa unterstrich dabei, dass Subsahara-Afrika unter erheblichem Energiemangel leide und kaum industrielle Entwicklung stattfinde. Die Region sei daher „durstig" nach Elektrizität.
Kritische Mineralien und neue Exportmärkte
Ein weiterer strategischer Aspekt: 30 Prozent der weltweiten Reserven an kritischen Mineralien befinden sich im südlichen Afrika, darunter auch wichtige Batteriemineralien. Ohne ausreichende Stromversorgung ist jedoch keine Weiterverarbeitung dieser Rohstoffe möglich. Südafrika könnte laut Ramokgopa als Zentrum für die Erschließung und Verarbeitung dieser Mineralien fungieren.
Konkret plant Südafrika den Abschluss eines Vertrags zur Lieferung von 5.000 MW Strom an das bedeutende Bergbauland Sambia. Dieser Deal würde Südafrika helfen, ein aufkommendes Problem zu bewältigen: die wachsende Erzeugung erneuerbarer Energien, die zunehmend die Netzkapazität übersteigt. Sambias eigene, auf Wasserkraft basierende Erzeugungskapazität wurde durch Dürreperioden stark beeinträchtigt, und das aufkommende El-Niño-Phänomen droht die Lage weiter zu verschlechtern.
Dieser Energieliefervertrag gilt als Vorbote neuer Märkte, die Südafrika für seinen wachsenden Stromsektor erschließen muss. Schlüssel dazu ist ein Netz regionaler Verbindungsleitungen, das ein gewaltiges Netzwerk entstehen lässt – von Kapstadt bis zum sambischen Copperbelt. Für Investoren und Beobachter des afrikanischen Energiemarkts sind diese Entwicklungen ein klares Signal: Südafrika positioniert sich aktiv als Energiedrehscheibe des Kontinents.
