Ernüchterung an der Wallstreet
Der tägliche Marktbericht von Aktien.news

Überraschend schwache Konjunkturdaten haben zu Beginn der Woche an der Wall Street für Ernüchterung gesorgt. Anleger befürchten nun eine größere Schwäche der Wirtschaft. Trotz eines anfänglichen Kursanstiegs konnten die großen Aktienindizes ihre Gewinne nicht halten. Besonders der Dow Jones-Index, der Leitindex der Standardwerte, geriet unter Druck, konnte jedoch gegen Sitzungsende die Verluste auf ein Minus von 0,3 Prozent bei 38.571 Punkten eingrenzen.
Im Gegensatz dazu konnte die Technologiebörse Nasdaq von der anhaltenden Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) profitieren und schloss 0,56 Prozent höher. Der Nasdaq 100 stieg um knapp 0,4 Prozent. Auch der marktbreite S&P-500-Index konnte sich mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent auf 5.283 Zähler behaupten. Analysten wie Bret Kenwell vom Online-Broker eToro kommentierten, dass nach einem kraftvollen Schluss am Freitag die Dynamik etwas nachgelassen habe.
Die Stimmung an den Märkten wurde durch den überraschenden Rückgang des ISM-Barometers für die US-Einkaufsmanager der Industrie auf 48,7 Punkte weiter belastet. Dies deutet auf einen wirtschaftlichen Abschwung hin. Auch die Bauausgaben gingen zurück. Diese Entwicklungen verstärkten Spekulationen über eine baldige Zinssenkung in den USA, obwohl eine Lockerung bereits in diesem Monat als unwahrscheinlich gilt. Die Federal Reserve (Fed) plant, in der kommenden Woche über ihre Geldpolitik zu beraten.
Während Unsicherheit über die künftige Zinspolitik herrscht, befeuert der Boom um Künstliche Intelligenz die Märkte. AMD präsentierte auf der Computex in Taipeh einen neuen KI-Chip, der Nvidia Marktanteile abnehmen soll. Trotz dieser Ankündigung fielen die AMD-Aktien nach anfänglichen Gewinnen um zwei Prozent. Nvidia hingegen konnte mit einem Kursplus von 4,9 Prozent überzeugen, nachdem das Unternehmen eine neue Generation von Hochleistungsprozessoren angekündigt hatte.
In Europa konnten die Anleger ebenfalls einige Gewinne verzeichnen. Der DAX stieg um 0,6 Prozent auf 18.608 Punkte, der MDAX um 0,92 Prozent. Experten sind der Meinung, dass die Korrektur des DAX beendet sei, solange der Markt die Unterstützung bei 18.570 Punkten hält.
Unter den Einzelwerten im DAX waren RWE und Siemens Energie die Spitzenreiter mit einem Plus von rund 2,4 Prozent. Am Ende des DAX standen Brenntag und Sartorius. Die Berichtssaison der Unternehmen ist weitgehend abgeschlossen, weshalb sich die Anleger verstärkt auf Konjunkturzahlen konzentrieren, die für die Geldpolitik der großen Notenbanken wichtig sind. Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins am Donnerstag um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent senken wird.
Die Ölpreise verzeichneten hingegen deutliche Verluste. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel um über 3,8 Prozent auf 78,47 Dollar, während ein Fass der US-Leichtölsorte WTI über vier Prozent verlor. Die OPEC+ verlängerte ihre Produktionsbeschränkungen bis Ende 2025, signalisierte aber auch eine schrittweise Lockerung einiger Kürzungen ab Oktober.
Abschließend ist zu erwähnen, dass der Euro nach positiven Konjunkturdaten aus der Eurozone und schwachen US-Daten am Nachmittag auf 1,0890 Dollar stieg. Die Deutsche Bank stärkte ihr Eigenkapital durch die Ausgabe einer zusätzlichen Nachranganleihe. Die Aktie von Delivery Hero gehörte im MDAX zu den Spitzenreitern, während Aktien von Borussia Dortmund im SDAX unter Druck gerieten, nachdem der Club das Champions-League-Finale gegen Real Madrid verloren hatte.
