Erdbeerernte in Deutschland bricht historischen Rekord
Hohe Kosten, weniger Anbaufläche und Trockenheit belasten auch den Spargelanbau

Die Erdbeerernte in Deutschland fällt in diesem Jahr voraussichtlich so gering aus wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Nach ersten Schätzungen des Statistischen Bundesamts rechnen die landwirtschaftlichen Betriebe mit nur 75.500 Tonnen Erdbeeren aus dem Freilandanbau. Damit würde das Erntevolumen den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1995 erreichen. Als Hauptgrund gilt die sinkende Anbaufläche – verursacht durch die im internationalen Vergleich hohen Produktionskosten in Deutschland.
Auch der Rückblick auf das Vorjahr bestätigt den Negativtrend: Die aktuell prognostizierte Erntemenge liegt nochmals vier Prozent unter dem bereits niedrigen Niveau von 2024. Parallel dazu nahm die Anbaufläche für Freilanderdbeeren ebenfalls um vier Prozent ab. Mit 8.100 Hektar ist sie so klein wie zuletzt vor 30 Jahren. Besonders betroffen sind Regionen mit traditionell hoher Erdbeerproduktion. Nordrhein-Westfalen erwartet mit 18.600 Tonnen die größte Menge, gefolgt von Niedersachsen mit 17.800 Tonnen und Baden-Württemberg mit 11.800 Tonnen.
Neben Erdbeeren trifft die Entwicklung auch den Spargelanbau. Die Anbaufläche sank nach vorläufigen Zahlen um sechs Prozent auf 18.600 Hektar. Ursächlich hierfür sind neben den hohen Produktionskosten auch eine rückläufige Nachfrage. Zusätzlich sorgten in manchen Regionen ungünstige Witterungsbedingungen, insbesondere starke Trockenheit im Frühjahr, für erhebliche Ernteausfälle.
Ein entscheidender Kostenfaktor im Obst- und Gemüseanbau sind die Personalkosten. Die Betriebe setzen vor allem auf Saisonarbeitskräfte, häufig aus dem Ausland, die nach gesetzlichen Vorgaben entlohnt werden müssen. Der gesetzliche Mindestlohn wirkt sich spürbar auf die Wirtschaftlichkeit des Anbaus aus. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, hatte sich daher im Vorfeld für eine Ausnahmeregelung beim Mindestlohn für Saisonkräfte ausgesprochen – jedoch ohne Erfolg.
Der Bauernverband sieht die deutsche Landwirtschaft im internationalen Wettbewerb zunehmend unter Druck. Infolge der vergleichsweise hohen Lohn- und Produktionskosten werde sich der Anbau von Obst und Gemüse weiter ins Ausland verlagern. Verbraucher müssten sich auf einen wachsenden Anteil importierter Produkte einstellen. Gleichzeitig werde in Deutschland produziertes Obst und Gemüse aufgrund der Kostenstruktur merklich teurer bleiben.
