Erbschaftsstreit der Safras: Ein Bankenimperium in Gefahr
Die öffentliche Familienfehde enthüllt Intrigen und Chancen für Brasiliens berühmteste Bankiersdynastie

Die Safra-Familie, bekannt für ihr globales Bankenimperium und ihr immenses Vermögen, findet sich derzeit in einem öffentlichen Erbstreit von epischen Ausmaßen wieder. Joseph Safra, der patriarchalische Kopf der Familie und einer der erfolgreichsten Bankiers seiner Generation, verstarb im Jahr 2020 und hinterließ ein geschätztes Vermögen von mehr als 23 Milliarden Dollar. Sein Vermächtnis, das bis ins Jahr 1840 zurückreicht, umfasst das Banco Safra in São Paulo, weltberühmte Immobilien wie "The Gherkin" in New York und London sowie die florierende J. Safra Sarasin Privatbank in der Schweiz.
Joseph Safra hatte jedoch nie die Kontrolle über sein Bankhaus abgegeben, was sich nun als verhängnisvoller Fehler erweist. Der Erbstreit, der bereits in die zweite Generation geht, ist zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden, die die ganze Welt fasziniert. Der Streit zwischen den Söhnen von Joseph Safra erinnert an eine Telenovela, mit ungeklärten Todesfällen und angeblich gefälschten Testamenten. Ein New Yorker Richter muss nun entscheiden, ob ein Verfahren zugelassen wird, bei dem all die Intrigen und Streitereien ans Licht kommen.
Bereits zu Lebzeiten von Joseph Safra kam es zu Spannungen zwischen seinen Söhnen. Alberto und David, die beiden jüngeren Brüder, gerieten in einen Machtkampf um die Zukunft des Bankhauses. Joseph Safra versuchte noch, den Streit zu verhindern, indem er den Vizepräsidenten des Banco Safra in São Paulo, Eduardo Sosa, als Vermittler zwischen seinen Söhnen einsetzte. Doch diese Lösung erwies sich als unzureichend, da es zu Spannungen zwischen Alberto und David kam, die sich um die Digitalstrategie der Bank stritten.
Ein weiterer Konflikt brach aus, als Alberto die Bank verließ und eine eigene Fondsgesellschaft gründete, ASA. Er warb führende Mitarbeiter aus dem Familienunternehmen ab, darunter auch Eduardo Sosa, der als Streitschlichter zwischen den Brüdern vorgesehen war. Diese Spaltung wurde öffentlich, als David ausländischen Investoren die Banco Safra als eine Privatbank präsentierte, die familiäre Werte hochhält, aber auf dem Gruppenfoto neben seinem Vater und seinem älteren Bruder Jacob zu sehen war, während Alberto fehlte.
Der Erbstreit ist nicht das erste Mal, dass die Safra-Familie in einen öffentlichen Konflikt verwickelt ist. Bereits in der Vergangenheit gab es Auseinandersetzungen innerhalb des Clans, die das Institut zeitweise lähmten, aber auch zu neuen unternehmerischen Erfolgen führten.
Die Safra-Familie hat eine lange Geschichte in der Bankenwelt, die bis ins Jahr 1840 zurückreicht, als sie in Aleppo, Syrien, tätig war. Nach verschiedenen Stationen in anderen Städten zog die Familie schließlich nach São Paulo, Brasilien, wo sie ihr Bankimperium weiter ausbaute. Die Brüder Joseph, Moise und Edmond Safra gingen jedoch bald getrennte Wege, da in Brasilien kein Platz für drei Safras war.
Edmond Safra baute ein erfolgreiches Bankimperium in Europa und den USA auf, verkaufte es aber später an HSBC. Dieser Deal kostete HSBC später Milliarden aufgrund illegaler Konten. Kurz nach dem Verkauf verstarb Edmond Safra unter mysteriösen Umständen in Monte Carlo, und sein Tod ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt.
Auch zwischen Joseph und Moise Safra, dem mittleren Bruder, kam es zu Streitigkeiten, als Moise sich aus dem Bankgeschäft zurückziehen wollte, aber seinen Anteil nicht verkaufte. Joseph gründete daraufhin seinen eigenen Banco J. Safra in São Paulo und machte seinem Bruder Konkurrenz. Schließlich verkaufte Moise doch an Joseph.
Der aktuelle Erbstreit eskalierte nach dem Tod von Joseph Safra vor drei Jahren. Alberto wirft seiner Familie vor, seine Anteile an der Holdinggesellschaft der Safra National Bank durch unsaubere Tricks verwässert zu haben. Zudem wird behauptet, dass Joseph Safra sein Testament kurz vor seinem Tod geändert habe, während er unter dem Einfluss von Medikamenten und seiner Krankheit litt. Ein New Yorker Richter hat zugelassen, dass Krankheitsberichte des Patriarchen aus der Zeit vor seinem Ableben dem Gericht zugänglich gemacht werden.
Die Familie weist die Vorwürfe der Testamentfälschung zurück und behauptet, Joseph Safra habe seinen letzten Willen geändert, weil er enttäuscht von Albertos illoyalem Verhalten war. Dieser Erbstreit hat drei mögliche Ausgänge: Es könnte zu Gerichtsverfahren kommen, Alberto Safra könnte seine verbliebenen Anteile an die Familie verkaufen, oder es könnte zu einem Vergleich zwischen den Parteien kommen.
Die Auseinandersetzungen innerhalb der Safra-Familie haben in der Vergangenheit das Bankgeschäft beeinträchtigt und Chancen verpasst. Dennoch hat die Rivalität zwischen den Brüdern offenbar zu großem Engagement geführt. Alberto Safra ist mit seinem ASA Investments erfolgreich und hat im vergangenen Jahr seine Konkurrenten in Brasilien in Bezug auf Rendite geschlagen. Auch die Privatbank J. Safra Sarasin in der Schweiz wächst unter Jacob Safras Führung und gilt als eine der solidesten Privatbanken am Markt.
Trotz der öffentlichen Streitigkeiten und Intrigen scheint die Familie Safra bisher nicht in die Armut gestürzt zu sein. Dieser Erbstreit bleibt ein faszinierendes Drama, das die Finanzwelt weiterhin in Atem hält und die Zukunft des Safra-Imperiums in Frage stellt.
