Elon Musk kämpft mit Prioritäten bei Tesla
Wie Führungskräfte mehrere Aufgaben meistern, ohne ihre Hauptverantwortung zu vernachlässigen

Tesla befindet sich derzeit in einer schwierigen Phase. Der Gewinn des Elektroautobauers ist im ersten Quartal um 71 Prozent gesunken. Auch die Zulassungszahlen in der Europäischen Union verzeichneten im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Rückgang von 45 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass Elon Musk, der Chef des Unternehmens, in den vergangenen Monaten einen Großteil seiner Zeit in die Anti-Bürokratie-Einheit Doge investiert hat. Mit dieser Initiative möchte Musk den US-Staatsapparat effizienter gestalten. Mitte der Woche versuchte er, die Tesla-Investoren zu beruhigen. Er kündigte an, sich künftig wieder stärker auf Tesla zu konzentrieren. Ab Mai wolle er nur noch ein bis zwei Tage pro Woche für Doge tätig sein.
Das Verhalten von Elon Musk verdeutlicht, welche Risiken entstehen, wenn Führungskräfte ihre Kernaufgaben aus dem Blick verlieren. Wer mehrere Ämter innehat, etwa als Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratsmitglied oder in einem Verband, muss klare Prioritäten setzen. Es gehört laut dem Psychologen Stefan Brandt zur Natur vieler Führungskräfte, Verantwortung und Macht anzustreben. Dadurch übernehmen sie oft zusätzliche Aufgaben und laufen Gefahr, sich zu verzetteln. Brandt rät dazu, sich regelmäßig zu hinterfragen, was wirklich wichtig ist und welche Aufgaben den eigenen Zielen dienen. Diese Reflexion sollte idealerweise zweimal im Jahr stattfinden.
Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Delegieren von Aufgaben. Führungskräfte müssen sich von inhaltlicher Detailarbeit lösen, die sie möglicherweise früher gerne übernommen haben. Vertrauen und Kontrolle seien hierbei entscheidend, erklärt Brandt. Auch der Managementberater Matthias Hettl betont, dass ein übermäßiges Bedürfnis, jede Entscheidung selbst zu treffen, dazu führen könne, dass wichtige, aber nicht dringende Aufgaben vernachlässigt werden. Verantwortung abzugeben bedeute nicht, sich der Verantwortung zu entziehen. Musk, so Brandt, sei ein Visionär, aber kein Manager im klassischen Sinne.
Innerhalb eines Unternehmens sei es außerdem wichtig, Gerüchten und Unsicherheiten vorzubeugen. Mitarbeiter könnten irritiert sein, wenn Führungskräfte sich verstärkt politisch engagieren oder in Talkshows auftreten, anstatt sich sichtbar um das Unternehmen zu kümmern. In solchen Fällen sei es notwendig, das eigene Handeln offen zu erklären oder Fehler einzugestehen. Nur durch Transparenz könne verhindert werden, dass sich Unzufriedenheit und Missverständnisse in der Belegschaft ausbreiten.
