Elektroauto-Branche unter Druck wegen Menschenrechtsverstößen
Amnesty kritisiert mangelnden Schutz in Lieferketten und Umweltschäden beim Rohstoffabbau

Amnesty International hat in einem Bericht die Elektroauto-Hersteller kritisiert, da diese ihre Arbeiter und die betroffenen Gemeinden offenbar nicht ausreichend vor Ausbeutung schützen. Besonders die Lieferketten der für die Produktion von Elektroautos benötigten Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer, Lithium und Nickel stehen im Fokus. Laut Amnesty kann keines der führenden Unternehmen der Branche transparent aufzeigen, wie es mit den Risiken in diesen Lieferketten umgeht. Deutsche Hersteller wie Mercedes, BMW und VW schneiden im internationalen Vergleich zwar relativ gut ab, haben aber ebenfalls Verbesserungsbedarf.
Eine von Amnesty International erstellte Rangliste bewertet die Sorgfaltspflichten und menschenrechtlichen Richtlinien von 13 großen Elektroautoherstellern anhand öffentlicher Dokumente. Besonders schlecht schneidet der chinesische Konzern BYD ab, der von 90 möglichen Punkten nur elf erreichte. Auch Mitsubishi und Hyundai befinden sich auf den hinteren Plätzen, während Mercedes mit 51 Punkten das Ranking anführt. Tesla, der von Elon Musk geleitete US-Konzern, belegt mit 49 Punkten den zweiten Platz. BMW, VW und Ford teilen sich mit jeweils 41 Punkten den vierten Platz.
Amnesty führt die vergleichsweise besseren Ergebnisse der deutschen Hersteller unter anderem auf das seit 2023 geltende Lieferkettengesetz zurück, das Unternehmen zur Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten verpflichtet. Trotz dieser gesetzlichen Vorgaben bestehe jedoch noch Nachholbedarf, insbesondere bei der Offenlegung von Entschädigungsmaßnahmen und der Transparenz von Lieferketten in der Batterieproduktion.
Neben Menschenrechtsverletzungen weist Amnesty auch auf Gesundheits- und Umweltschäden hin, die insbesondere beim Abbau von Rohstoffen wie Kobalt auftreten. Im Zusammenhang mit dem Kobaltabbau in der Demokratischen Republik Kongo komme es unter anderem zu Zwangsräumungen und Ausbeutung.
Während die Bundesregierung anstrebt, bis 2030 rund 15 Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen, zeigen aktuelle Daten der HUK Coburg, dass der Umstieg auf Elektrofahrzeuge bei privaten Autobesitzern nur langsam voranschreitet. Im dritten Quartal 2024 entschieden sich nur 3,9 Prozent der privaten Käufer für ein Elektroauto. Zudem hat sich ein Drittel der bisherigen E-Auto-Besitzer beim Kauf eines neuen Fahrzeugs wieder für ein Modell mit Verbrennungsmotor entschieden.
