Eko baut KI-fähigen Produktkatalog für Walmart und andere Händler
Das Startup Eko fotografiert Millionen von Produkten in einer riesigen „Capture Factory" – für bessere Online-Angebote und KI-taugliche Daten.

In einer Lagerhalle im US-Bundesstaat Arkansas, die größer ist als zwei Fußballfelder, dreht sich derzeit eine technologische Revolution im Zeitlupentempo: Digitalkameras kreisen um Vitaminfläschchen, Kinderwagen und Waschmittelkapseln. Maniküre-Spezialisten, Handmodels und ehemalige Theaterregisseure arbeiten gemeinsam daran, einen digitalen Produktkatalog für die KI-Zukunft des Einzelhandels aufzubauen. Betrieben wird die Anlage vom Brooklyn ansässigen Technologieunternehmen Eko, das sie intern als „Capture Factory" bezeichnet.
Das Ziel des Unternehmens ist ehrgeizig: Die Genauigkeit von Online-Produktangeboten für Millionen von Artikeln bei Großhändlern wie Walmart, Best Buy und weiteren Einzelhändlern soll deutlich verbessert werden. Gleichzeitig sollen die Daten so aufbereitet werden, dass künstliche Intelligenz sie problemlos verarbeiten kann. Denn im modernen E-Commerce sind hochwertige Produktdaten die Grundlage für personalisierte Empfehlungen, Suchalgorithmen und automatisierte Einkaufssysteme.
Manueller Aufwand für digitale Präzision
Was technologisch klingt, ist in der Praxis ein ausgesprochen arbeitsintensiver Prozess. Hunderte von Eko-Mitarbeitern fotografieren Produkte aus jedem erdenklichen Winkel auf Bühnen im Filmstudio-Stil. Die Beleuchtung wird individuell angepasst, Fingerabdrücke auf Metalloberflächen werden sorgfältig wegpoliert, bevor der Auslöser betätigt wird. Jedes Detail zählt – denn am Ende sollen die Bilder und Daten nicht nur für menschliche Käufer, sondern vor allem für KI-Systeme verwertbar sein.
Ben Kaufman, Präsident von Eko, bringt die Philosophie hinter dem Projekt auf den Punkt: „Das Ergebnis einer KI ist nur so gut wie die Eingabedaten, und es gab keine guten Eingabedaten." Diese Aussage trifft einen wunden Punkt der gesamten KI-Branche. Trotz milliardenschwerer Investitionen in Sprachmodelle und Algorithmen bleibt die Qualität der zugrundeliegenden Trainingsdaten oft das schwächste Glied in der Kette.
Starke Investoren im Rücken
Eko kann auf namhafte Unterstützung zählen. Zu den Investoren des Unternehmens gehören neben dem Einzelhandelsriesen Walmart selbst auch renommierte Risikokapitalgesellschaften wie Sequoia Capital und Intel Capital. Dass Walmart nicht nur Kunde, sondern auch Anteilseigner ist, unterstreicht das strategische Interesse des Konzerns an einer besseren Datengrundlage für sein wachsendes Online-Geschäft. Walmart ist mit einem Jahresumsatz von über 600 Milliarden US-Dollar der weltgrößte Einzelhändler und investiert massiv in die Digitalisierung seiner Plattformen.
Für deutsche Verbraucher und Investoren ist das Projekt ein aufschlussreicher Blick in die Zukunft des Handels. Auch hierzulande arbeiten Plattformen wie Amazon, Otto oder Zalando intensiv an der Verbesserung ihrer Produktdaten. Die Idee, spezialisierte „Capture Factories" zu betreiben, könnte bald auch in Europa Schule machen – insbesondere da KI-gestützte Einkaufsassistenten und visuelle Suche immer stärker in den Alltag der Verbraucher eindringen.
Warum Produktdaten im KI-Zeitalter entscheidend sind
Die Qualität digitaler Produktkataloge wird im KI-Zeitalter zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Fehlerhafte oder unvollständige Produktbeschreibungen führen zu schlechteren Suchergebnissen, höheren Retourenquoten und unzufriedenen Kunden. KI-Systeme, die Produktempfehlungen aussprechen oder Preisvergleiche durchführen, sind auf strukturierte, konsistente und vollständige Daten angewiesen.
- Präzise Produktbilder aus allen Winkeln verbessern die visuelle Suche
- Strukturierte Metadaten ermöglichen bessere KI-Empfehlungen
- Einheitliche Datenstandards reduzieren Fehler im automatisierten Handel
- Hochwertige Eingabedaten steigern die Genauigkeit von KI-Modellen
Das Projekt von Eko zeigt, dass der Weg zur KI-gestützten Zukunft des Einzelhandels durch sehr menschliche Arbeit führt – zumindest vorerst. Die „Capture Factory" in Arkansas ist damit ein Symbol für eine Branche im Wandel: hochmodern in der Zielsetzung, aber auf sorgfältige Handarbeit angewiesen, um das Fundament zu legen.
