DeepSeeks neues V4-Modell soll auf Huawei-Chips laufen
Chinesische Tech-Giganten wie Alibaba, ByteDance und Tencent ordern bereits Hunderttausende Huawei-Chips für den Launch.
Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek bereitet den Start seines neuen Sprachmodells V4 vor – und setzt dabei auf heimische Chip-Technologie. Laut einem Bericht des US-Digitalmediums The Information wird das kommende Modell auf den neuesten Chips von Huawei Technologies laufen. Die Meldung erschien am Freitag und stützt sich auf fünf Personen mit direkter Kenntnis der Transaktion.
Die Nachricht unterstreicht den wachsenden Trend in China, bei der KI-Infrastruktur auf einheimische Halbleiterlösungen zu setzen – ein direktes Resultat der US-Exportbeschränkungen, die chinesischen Unternehmen den Zugang zu hochentwickelten Nvidia-Chips erheblich erschwert haben. Huawei hat sich in diesem Kontext als zentraler Anbieter von KI-Beschleunigern in China positioniert.
Massiver Chip-Bedarf vor dem V4-Launch
In Vorbereitung auf die Markteinführung von DeepSeeks V4 haben mehrere chinesische Technologieschwergewichte bereits umfangreiche Vorbestellungen für den neuen Huawei-Chip aufgegeben. Laut The Information gehören dazu die Alibaba Group, ByteDance – der Mutterkonzern von TikTok – sowie Tencent Holdings. Der Gesamtumfang der Bestellungen soll sich auf Hunderttausende Einheiten belaufen.
Diese Größenordnung verdeutlicht, welche strategische Bedeutung dem V4-Modell in der chinesischen Tech-Industrie beigemessen wird. DeepSeek hatte zuletzt mit seinem Modell V3 und dem Reasoning-Modell R1 international für Aufsehen gesorgt, da diese Systeme trotz vermeintlich niedrigerer Trainingskosten mit westlichen Konkurrenzprodukten mithalten konnten.
DeepSeek und Huawei äußern sich nicht
Weder Huawei Technologies noch DeepSeek reagierten auf eine außerhalb der üblichen Geschäftszeiten gesendete Anfrage von Reuters nach einer Stellungnahme. Die Informationen beruhen damit ausschließlich auf den Angaben der anonymen Quellen, die The Information zitiert.
Für Anleger und Marktbeobachter ist die Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Erstens zeigt sie, dass Huawei trotz westlicher Sanktionen in der Lage ist, leistungsfähige KI-Chips zu entwickeln, die für anspruchsvolle Großprojekte genutzt werden. Zweitens signalisiert die Bündelung von Bestellungen durch Alibaba, ByteDance und Tencent, dass die chinesische Tech-Industrie geschlossen auf eine heimische Chip-Lieferkette setzt.
Geopolitischer Kontext: Chinas Weg zur Chip-Unabhängigkeit
Der Schritt ist eingebettet in die breitere geopolitische Auseinandersetzung zwischen den USA und China im Bereich Halbleiter und Künstliche Intelligenz. Washington hat in den vergangenen Jahren die Exportkontrollen für fortschrittliche Chips schrittweise verschärft, um Chinas KI-Entwicklung zu bremsen. Die chinesische Regierung und Industrie reagieren darauf mit massiven Investitionen in die eigene Halbleiterproduktion.
Huawei, selbst seit Jahren auf der US-Sanktionsliste, hat sich dabei als Schlüsselakteur etabliert. Die Zusammenarbeit mit DeepSeek – einem der aktuell bekanntesten chinesischen KI-Labore – könnte Huaweis Position als führender heimischer KI-Chip-Anbieter weiter festigen.
Für internationale Investoren bleibt die Frage, ob Huaweis Chips leistungsmäßig mit den neuesten Nvidia-Modellen mithalten können. Sollte das V4-Modell von DeepSeek auf Basis dieser Chips überzeugende Ergebnisse liefern, wäre das ein starkes Signal für die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen KI-Ökosystems – unabhängig von westlicher Technologie.
