Einzelhandel wächst, Industrie kämpft mit Rückschlägen
Umsatzsteigerungen im Handel, stagnierende Aufträge und Unsicherheiten in der Industrie

Der deutsche Einzelhandel verzeichnete im Jahr 2024 eine Umsatzsteigerung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stieg der Umsatz nominal um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, preisbereinigt um 1,3 Prozent. Damit konnte der Sektor erstmals seit zwei Jahren wieder ein Plus verbuchen. Zuvor hatten hohe Preissteigerungen in den Jahren 2022 und 2023 zu einem Rückgang geführt. Dennoch liegt der reale Jahresumsatz weiterhin 2,7 Prozent unter dem Niveau von 2021, das als Rekordjahr gilt. Insbesondere das Weihnachtsgeschäft trug zur Erholung bei: Im November stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,5 Prozent. Allerdings gab es im Vergleich zum Oktober einen Rückgang um 0,6 Prozent.
Parallel dazu bleibt die Kauflaune der Verbraucher ein wichtiger Faktor. Laut einer Umfrage der GfK und des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen stieg das Konsumbarometer im Januar leicht an, befindet sich jedoch weiterhin im negativen Bereich. Experten betonen, dass eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas derzeit nicht in Sicht ist. Hauptursache hierfür sind die anhaltend hohen Preise für Lebensmittel und Energie, die weiterhin für Verunsicherung sorgen.
Im Gegensatz zum Einzelhandel kämpft die deutsche Industrie mit Rückschlägen. Die Auftragseingänge sanken im November um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Ursächlich hierfür ist vor allem das Ausbleiben von Großaufträgen im Bereich des sonstigen Fahrzeugbaus, wie Flugzeuge und Schiffe, deren Volumen im Oktober noch außergewöhnlich hoch war. Ohne diese Großaufträge stiegen die Bestellungen im November jedoch leicht um 0,2 Prozent. Die Entwicklung zeigt insgesamt eine stagnierende Tendenz.
Während einige Industriezweige wie der Maschinenbau und die Chemieindustrie einen Zuwachs bei den Inlandbestellungen verzeichneten, schrumpfte das Auslandsgeschäft um 10,8 Prozent. Insbesondere die Nachfrage außerhalb der Eurozone ging deutlich zurück. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer macht hohe Kosten und bürokratische Hürden für die sinkende Wettbewerbsfähigkeit verantwortlich. Hinzu kommt die Unsicherheit durch mögliche Strafzölle der USA unter der zweiten Amtszeit von Donald Trump, die die Handelsbeziehungen weiter belasten könnte.
Angesichts dieser Faktoren rechnet die Commerzbank damit, dass die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr bestenfalls stagniert. Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer sowie Volkswirte anderer Institute prognostizieren ein schwieriges Jahr 2025 für die deutsche Konjunktur.
