Einheitliche Preise bei Discountern und Supermärkten
Warum Kunden kaum noch beim Einkaufen sparen können

In Deutschland gleichen sich die Lebensmittelpreise bei Discountern und Supermärkten zunehmend an. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie Aldi Süd und Lidl im Mai 2024 fast zeitgleich den Preis für ein 450-Gramm-Glas Nutella von 3,29 auf 3,49 Euro erhöhten. Binnen kurzer Zeit zogen andere Händler wie Rewe, Edeka und Kaufland nach und boten dasselbe Produkt zum gleichen Preis an. Laut einer Analyse der Preisvergleichs-App Smhaggle und Experten wie Marc Houppermans von DRC Discount Retail Consulting handelt es sich dabei um ein strukturelles Phänomen, das Wettbewerb vermeidet und einheitliche Preise zur Regel macht. Hunderte Produkte wurden in der Studie untersucht, und die Ergebnisse zeigen: Die Preise sind bei den großen Händlern in Deutschland häufig identisch.
Nicht nur bei Markenartikeln, auch bei Eigenmarken sind die Preise gleich. Dies widerspricht dem Bild des harten Preiswettbewerbs, mit dem Discounter und Supermärkte oft werben. Edeka beispielsweise verspricht „discountbillige“ Preise für zahlreiche Produkte, während Aldi mit dem „Original Aldi Preis“ lockt. Doch tatsächlich ist es für die Kunden kaum von Bedeutung, wo sie einkaufen, da der Regalpreis für viele Produkte identisch bleibt. Smhaggle-Chef Sven Reuter stellt fest, dass Sparmöglichkeiten für Kunden fast nur noch durch wechselnde Sonderangebote möglich sind.
Die Konzentration im Lebensmittelhandel, bei der vier große Handelsgruppen über 80 Prozent des Umsatzes generieren, begünstigt laut Experten wie dem Wettbewerbsrechtler Daniel Zimmer ein Verhalten, das Übergewinne möglich macht. Die großen Handelsketten, zu denen Aldi, Edeka, Rewe und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland gehören, lassen sich kaum auf Preissenkungen ein, selbst wenn die Kosten sinken. Die Monopolkommission wies in einem Bericht darauf hin, dass solche Kosteneinsparungen kaum an die Endverbraucher weitergegeben werden. Die Verbraucherzentralen fordern daher eine Preisbeobachtungsstelle, um die Preisentwicklungen transparenter zu machen.
Aldi Nord und Süd präsentieren sich dennoch als „Preisführer“ und betonen ihre Preispolitik. Laut Branchenkennern bleibt aber fraglich, wie lange Aldi sein Image als günstigster Anbieter halten kann, wenn viele Produkte anderswo zum gleichen Preis erhältlich sind. Markenhersteller berichten, dass auch sie von den dominanten Preisführern Aldi und Lidl beeinflusst werden, da die übrigen Händler Preissteigerungen übernehmen, sobald diese Akteure neue Preise setzen. Für den Discount-Marktführer Lidl, der über eine breitere Produktauswahl verfügt, ist diese Preisentwicklung von Vorteil, da er bessere Einkaufskonditionen hat und so höhere Margen erzielen kann.
