E-Ladesäulen-Ausbau schreitet voran, doch Ungleichheiten bleiben
Großstädte führen, ländliche Regionen oft noch ohne Ladeinfrastruktur

Die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland wächst rasant, obwohl regionale Unterschiede bestehen. Laut Bundesnetzagentur gibt es über 140.000 Ladepunkte, darunter 31.063 Schnellladepunkte mit mindestens 22 Kilowatt Leistung. Die tatsächliche Zahl könnte höher sein, da nur gemeldete und veröffentlichte Einrichtungen erfasst werden. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) stellt fest, dass sich die Anzahl der Stromer pro Ladepunkt im Vergleich zum Vorjahr verringert hat. Aktuell kommen 17,3 Elektroautos auf einen Ladepunkt, während es im Vorjahr noch 21 Fahrzeuge waren. Dieser Rückgang ist neben dem Netzaufbau auch darauf zurückzuführen, dass der Bestand an E-Fahrzeugen langsamer wächst.
In den Großstädten und bevölkerungsreichsten Bundesländern ist die Ladeinfrastruktur besonders leistungsfähig. Bayern weist die höchste Ladeleistung auf und erreicht als einziges Bundesland mehr als ein Gigawatt. Es folgen Nordrhein-Westfalen mit 938 Megawatt und Baden-Württemberg mit 775 Megawatt. Diese Länder verzeichnen auch die meisten Ladepunkte, da hier die Nachfrage aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte besonders groß ist. In Städten wie Berlin und Hamburg, wo die Elektromobilität stärker vertreten ist, ist das Netz dichter als in ländlichen Gebieten. Das Saarland bildet in dieser Hinsicht das Schlusslicht.
Ein Drittel der deutschen Gemeinden verfügt jedoch weiterhin über keine einzige öffentliche Ladestation. Die VDA-Präsidentin Hildegard Müller betont die Bedeutung eines flächendeckenden Ausbaus der Ladeinfrastruktur als Schlüssel zur Förderung der Elektromobilität. Nur so könnten Menschen motiviert werden, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. Dabei ist besonders der Ausbau von Schnellladepunkten wichtig, der laut VDA in vielen Gemeinden noch nicht ausreichend vorangetrieben wird.
Es gibt jedoch unterschiedliche Sichtweisen auf die Nutzung der Ladesäulen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft äußerte zuletzt Bedenken hinsichtlich der Auslastung der Ladepunkte, die für Betreiber oft zu gering sei. Die durchschnittliche Belegung der Ladesäulen liege bei nur 14,6 Prozent.
