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Digital statt Formular: Steuererklärung soll einfacher werden

Gewerkschaft fordert Automatisierung – Estland und Österreich als Vorbilder für Deutschland

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Digital statt Formular: Steuererklärung soll einfacher werden

Die jährliche Steuererklärung sorgt in Deutschland bei vielen Bürgern nach wie vor für Stress und Unsicherheit. Trotz der Möglichkeiten zur digitalen Abgabe über das System Elster bleibt der Aufwand erheblich: Durchschnittlich verbringen Steuerzahler neun bis zehn Stunden mit dem Ausfüllen der Unterlagen. Die Angst vor Fehlern ist groß, und kurz vor der aktuellen Abgabefrist bis zum 31. Juli mehren sich erneut die Stimmen, die eine grundlegende Vereinfachung fordern.

Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft spricht sich für eine Reform aus, die nicht nur auf digitale Lösungen setzt, sondern auch das Steuerrecht selbst verschlankt. Weniger Formulare, mehr Pauschalen und eine weitgehende Automatisierung – so lautet die Forderung des Gewerkschaftsvorsitzenden Florian Köbler. Er verweist auf das große Potenzial zur Zeit- und Kostenersparnis für Millionen Menschen, wenn anstelle individueller Abrechnungen standardisierte Verfahren treten würden.

Wie unkompliziert es gehen kann, zeigt ein Blick nach Estland. Dort ist die Steuererklärung fast vollständig automatisiert. 99 Prozent der Erklärungen werden online abgegeben, meist innerhalb weniger Minuten. Die Daten stammen direkt von Arbeitgebern, Banken und anderen Behörden, sodass die Bürger ihre vorausgefüllte Erklärung nur noch kontrollieren müssen. Auch in Schweden und Österreich sind solche Verfahren längst etabliert. In Österreich kann es sogar vorkommen, dass eine Rückerstattung der Lohnsteuer erfolgt, ohne dass eine Steuererklärung eingereicht wird.

In Deutschland hingegen liegt der Anteil digital übermittelter Steuererklärungen laut dem Digitalverband Bitkom derzeit bei lediglich 58 Prozent – ein vergleichsweise niedriger Wert. Der Ausbau digitaler Angebote geht zwar voran, doch eine vollständige Automatisierung ist bislang nicht umgesetzt. Die Gewerkschaft fordert nun auch für Arbeitnehmer die Abschaffung der klassischen Steuererklärung und die Einführung eines automatisierten Verfahrens, das lediglich bestätigt oder ergänzt werden muss.

Auch Rentner sollen nach Meinung der Gewerkschaft von der Erklärungspflicht befreit werden. Stattdessen könne ein automatischer Steuerabzug direkt durch die Rentenkasse erfolgen. Die Pläne der Bundesregierung sehen in ihrem Koalitionsvertrag bereits Erleichterungen vor, insbesondere durch Typisierungen und Pauschalierungen. Ziel ist es, einfache Steuerfälle künftig mit vorausgefüllten, digitalen Formularen abzuwickeln und die verpflichtende elektronische Abgabe schrittweise auszubauen.

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