DFL-Profiklubs stimmen für Investor: Ein Milliarden-Deal mit kontroversen Reaktionen
Die Hintergründe, die Vereinsmeinungen und die Fanproteste rund um die wegweisende Entscheidung

Im zweiten Anlauf haben die deutschen Fußball-Profiklubs knapp für den Einstieg eines Investors gestimmt. Dieser Schritt soll der Deutschen Fußball-Liga (DFL) voraussichtlich etwa eine Milliarde Euro einbringen. Zuvor hatten sich unter den Fans große Kritik und Bedenken gegenüber dieser Entscheidung geregt. Bei der Mitgliederversammlung der DFL in einem Hotel am Frankfurter Flughafen erhielt der Antrag, der die Partnerschaft mit einem Investor vorsieht, nach Medienberichten mit 24 Ja-Stimmen knapp die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit.
Die Geschäftsführung der DFL kann nun konkrete Verhandlungen mit einem strategischen Vermarktungspartner aufnehmen, nachdem sechs Unternehmen ihr Interesse an einer Partnerschaft mit der Liga bekundet haben. Im Gegenzug für eine prozentuale Beteiligung an den TV-Erlösen wird ein Finanzinvestor eine Milliarde Euro zahlen. Der Vertrag soll eine Maximallaufzeit von 20 Jahren haben und bis zum Beginn der Saison 2024/25 unterzeichnet sein.
Die DFL plant, das Geld hauptsächlich für den Ausbau ihrer Infrastruktur zu verwenden, darunter die weitere Digitalisierung und Internationalisierung sowie die Entwicklung einer eigenen Streamingplattform. Ein ähnlicher Versuch im Mai dieses Jahres war damals knapp an der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit gescheitert.
Einige Klubs, darunter Hertha BSC und der 1. FC Union Berlin, lehnten den Einstieg des Investors jedoch ab. Hertha BSC äußerte Bedenken bezüglich der Machbarkeit und Nachhaltigkeit des Vorhabens und wünschte sich eine ganzheitlichere Betrachtung. Auch der 1. FC Union Berlin stimmte gegen den Antrag und betonte seine Bedenken in Bezug auf die aktuellen Konditionen und den Zeitpunkt der Partnerschaft. Trotz ihrer Ablehnung akzeptierten beide Vereine die Mehrheitsentscheidung der anderen Klubs.
Die Entscheidung stieß bei den Fans auf Widerstand, der sich in Form von Protesten und Spruchbändern in den Stadien äußerte. Die Befürchtung besteht, dass der Einstieg eines Investors den Wettbewerb im Fußball beeinflussen könnte. Die DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und Steffen Merkel versicherten jedoch, dass der zukünftige Partner nur begrenzte Mitspracherechte im wirtschaftlichen Bereich haben wird. Sie betonten, dass potenzielle Partner die festgelegten Grenzen akzeptieren müssen, um für die DFL infrage zu kommen.
