Deutsche Wirtschaft stagniert im ersten Quartal
Sinkende Konsumausgaben und hohe Inflation bremsen das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2023

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal 2023 nicht gewachsen und stagnierte auf dem Niveau des Vorquartals, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Entgegen der Erwartung von Ökonomen hatte man mit einem Mini-Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet. Die "schwarze Null" folgt auf ein Minus von 0,5 Prozent im vierten Quartal. Die Statistiker haben diesen Wert von bisher minus 0,4 Prozent nach unten korrigiert. Die deutsche Wirtschaft ist einer technischen Rezession damit nur knapp entgangen. Ökonominnen und Ökonomen sprechen davon, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge fällt.
Ein besseres Abschneiden der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal wurde vor allem durch die sinkenden Konsumausgaben der Verbraucherinnen und Verbraucher verhindert. Kaufkraftverluste durch die hohe Inflation hatten die Kauflaune der Konsumenten zuletzt deutlich gedämpft. Auch die staatlichen Konsumausgaben hätten zu Jahresbeginn abgenommen, berichteten die Statistiker. "Positive Impulse kamen dagegen von den Investitionen und den Exporten", hieß es. Details wollen die Statistiker im Mai bekanntgeben.
Die sinkenden Konsumausgaben der Verbraucherinnen und Verbraucher haben die Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal gebremst. Allerdings wächst bei den deutschen Unternehmen der Optimismus. Das laufende zweite Quartal schürt die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft wieder etwas zulegen dürfte. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg in den vergangenen Monaten deutlich an, und auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass die Konjunktur im laufenden Frühjahrsquartal an Schwung gewinnen wird.
Vor allem die anziehende Industrieproduktion - auch in den energieintensiven Wirtschaftszweigen - dürfte zum Wachstum beitragen. Allerdings warnt die Co-Leiterin des DIW-Konjunkturteams, Geraldine Dany-Knedlik, vor Euphorie. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer mahnt mit Blick auf das zweite Halbjahr zur Vorsicht. "So haben viele Unternehmen bereits einen guten Teil der während Corona liegen gebliebenen Aufträge abgearbeitet." Auch die kräftigen Zinsanhebungen der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften nicht spurlos an der deutschen Wirtschaft vorübergehen. Viele Ökonominnen und Ökonomen gehen davon aus, dass dies in den kommenden Monaten beispielsweise Investitionen und Bau ausbremsen dürfte.
