Deutsche Börse plant Rekord-Übernahme: 5,3 Mrd. € für Allfunds
Deutschlands größter Börsenbetreiber wagt den bisher teuersten Deal seiner Geschichte. Die Deutsche Börse bietet 5,3 Milliarden Euro für die Fondsplattform Allfunds und will damit ihre Unabhängigkeit von Marktschwankungen weiter ausbauen.

Der DAX-Konzern Deutsche Börse setzt zum größten Coup seiner Unternehmensgeschichte an. Mit einem Übernahmeangebot von 5,3 Milliarden Euro für die spanisch-britische Fondsplattform Allfunds übertrifft der Börsenbetreiber aus Eschborn seinen bisherigen Rekord bei weitem. Zum Vergleich: Die Übernahme des dänischen Softwareanbieters Simcorp kostete 2024 noch 3,9 Milliarden Euro.
Attraktives Angebot für Allfunds-Aktionäre
Die Aktionäre von Allfunds erhalten ein gemischtes Paket: Pro Aktie bietet die Deutsche Börse 8,80 Euro, bestehend aus 6 Euro in bar, eigenen Aktien sowie einer Bardividende. Das Management von Allfunds zeigt sich überzeugt – die Direktoren unterstützen die Transaktion einstimmig. Bereits knapp 49 Prozent des Aktienkapitals wurden angedient, wobei die kritische Schwelle bei 75 Prozent liegt.
Strategischer Schachzug gegen Marktschwankungen
Mit der Akquisition verfolgt Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner konsequent die Strategie seines Vorgängers Theodor Weimer weiter. Das Ziel: Den Konzern unabhängiger von den Launen der Börse zu machen. Allfunds bringt dabei beeindruckende Assets mit – die Plattform verwaltet Vermögen von rund 1,7 Billionen Euro und bietet Fondsmanagern sowie Verkäufern umfassende Handels-, Analyse- und Compliance-Systeme.
Synergien und Kostenvorteile im Fokus
Die Deutsche Börse rechnet mit jährlichen Kosteneinsparungen von 60 Millionen Euro vor Steuern durch die Fusion. Die kombinierte Gruppe soll eine "harmonisierte Plattform mit globaler Reichweite" schaffen, die Privatanlegern den Zugang zu Investmentfonds deutlich erleichtert. Vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen ist der Vollzug für die erste Jahreshälfte 2027 geplant.
Starke Aktionärsstruktur bei Allfunds
Die größten Anteilseigner von Allfunds sind der US-Finanzinvestor Hellman & Friedman und die französische Großbank BNP Paribas. Gemeinsam halten sie knapp die Hälfte der Anteile und haben ihre Unterstützung für die Übernahme bereits signalisiert. Exklusive Gespräche zwischen beiden Parteien laufen bereits seit November 2025.
Bedeutung für den europäischen Kapitalmarkt
Die Transaktion könnte weitreichende Folgen für die europäischen Aktienmärkte haben. Die Deutsche Börse betonte bereits bei Bekanntgabe der Verhandlungen, dass sowohl Kunden als auch die EU-Kapitalmärkte erheblich von der kombinierten Plattform profitieren könnten. Mit diesem Deal festigt der DAX-Konzern seine Position als führender Finanzmarktinfrastruktur-Anbieter in Europa.
