Deutsche Börse prüft Kappungsgrenze für DAX-Unternehmen
Eine mögliche Anhebung könnte den Index widerstandsfähiger gegenüber großen Abgängen machen

Die Deutsche Börse hat angekündigt, neue Regeln für den DAX-Index zu prüfen und eine Marktumfrage zur sogenannten Kappungsgrenze zu starten. Derzeit liegt die Kappungsgrenze bei zehn Prozent, was bedeutet, dass kein einzelnes Unternehmen mehr als zehn Prozent des Indexgewichts haben darf. Die Börse möchte nun herausfinden, wie Marktteilnehmer zu einer möglichen Anhebung der Kappungsgrenze auf 15 Prozent stehen. Dieser Schritt erfolgt als Reaktion auf den Abschied von Linde aus dem DAX zu Beginn des Jahres. Linde überschritt regelmäßig die Kappungsgrenze von zehn Prozent, was dazu führte, dass Indexfonds gezwungen waren, Linde-Aktien zu verkaufen.
Der Linde-Chef hatte den Abschied aus dem DAX auch mit der Kappungsgrenze begründet. Experten weisen jedoch darauf hin, dass es auch andere Gründe für den Rückzug gab, darunter die Verschiebung des Machtzentrums des Unternehmens in die USA nach der Fusion mit Praxair.
Derzeit ist SAP das einzige Unternehmen im DAX, das die zehnprozentige Kappungsgrenze erreicht. SAP hat jedoch keine Pläne, seine Börsennotierung in Deutschland aufzugeben.
Die Deutsche Börse hatte bereits 2022 eine ähnliche Umfrage zur Kappungsgrenze durchgeführt, bei der die Mehrheit der Befragten gegen eine Anhebung auf 15 Prozent gestimmt hatte. Es wird erwartet, dass sich die Stimmung jedoch aufgrund des Abschieds von Linde geändert hat.
Eine höhere Kappungsgrenze könnte verhindern, dass Unternehmen in Zukunft den deutschen Aktienhandel aufgrund steigender Börsenwerte verlassen. In Bezug auf Renditegesichtspunkte ist eine Kappung für Anleger sinnvoll, da sie verhindert, dass einzelne Aktien den Index dominieren. Die Deutsche Börse schlägt auch vor, schneller zu handeln, wenn ein einzelnes Unternehmen die 20-Prozent-Marke überschreitet. Dies würde die Flexibilität des DAX-Index erhöhen und möglichen Klumpenrisiken vorbeugen.
Die Umfrage läuft bis November, und die Ergebnisse werden im November veröffentlicht. Eventuelle Änderungen würden ab März 2024 umgesetzt werden.
