Deutsche Bank ringt um neue Renditeziele
Konzern diskutiert zwischen 12 und 14 Prozent, während Konkurrenz deutlich vorausliegt

Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Monaten Fortschritte erzielt, doch der Abstand zur Konkurrenz bleibt deutlich. Vorstandschef Christian Sewing konnte sich zuletzt über öffentliche wie finanzielle Erfolge freuen. Bei einem Wirtschaftsgipfel im Kanzleramt stand er an der Seite von CDU-Chef Friedrich Merz, was nach Einschätzung interner Kreise auf Investoren Eindruck machte. Zudem überraschte die Bank mit positiven Zahlen für das zweite Quartal, die zeigten, dass sich das Geldhaus seit den schwierigen Jahren der 2010er stabilisiert hat.
Gleichzeitig kämpft der Konzern jedoch mit Altlasten, insbesondere mit dem fast zwei Jahrzehnte alten Finanzgeschäft „Santorini“, das auch für Sewing persönlich zum Risiko werden könnte. Zwar sind die Erträge wieder gestiegen, nicht zuletzt dank der gestiegenen Leitzinsen, doch bei vielen Kennzahlen hinkt die Deutsche Bank ihren europäischen Mitbewerbern hinterher. Institute wie ING oder Unicredit haben ihre Geschäftsmodelle früher verschlankt und profitieren stärker von den aktuellen Rahmenbedingungen.
Vor diesem Hintergrund wird innerhalb des Konzerns intensiv über neue Finanzziele beraten. Die bisherige Vorgabe, bis Ende 2025 eine Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent zu erreichen, läuft aus. Interne Schätzungen und Analysen gehen derzeit davon aus, dass die Deutsche Bank im kommenden Jahr etwa 9,6 Prozent schaffen könnte. Das wäre zwar ein deutlicher Anstieg gegenüber den 7,1 Prozent aus 2024, bliebe aber unter den Erwartungen vieler Aktionäre.
Insider berichten, dass sich die Diskussion auf eine neue Zielspanne von 12 bis 14 Prozent Eigenkapitalrendite konzentriert. Ein Wert von 12 Prozent gilt als das Minimum, das man Investoren noch überzeugend vermitteln könnte. Allerdings erzielen zahlreiche Wettbewerber bereits heute deutlich höhere Werte. Die italienische Unicredit kam im vergangenen Jahr auf 21 Prozent, die niederländische ING liegt stabil zwischen 12 und 17 Prozent. Selbst die Commerzbank, die in Frankfurt direkte Konkurrenz darstellt, peilt für 2028 eine Rendite von 15 Prozent an.
Ein ehrgeizigeres Ziel von 14 Prozent gilt daher manchen als notwendig, anderen jedoch als riskant. Die Sorge: Sollte die Bank diese Marke verfehlen, könnte das neu gewonnene Vertrauen der Aktionäre wieder verspielt werden. In der Vergangenheit hatte die Deutsche Bank immer wieder ambitionierte Versprechen nicht einhalten können, was ihre Krise verschärfte. Legendär blieb etwa die Zielvorgabe des früheren Chefs Josef Ackermann von 25 Prozent Rendite.
Weil der Konzern zuletzt aber die Erwartungen der Analysten erfüllen konnte, hat sich das Vertrauen an den Märkten erholt. Der Börsenwert verdoppelte sich in den vergangenen zwölf Monaten. Entsprechend vorsichtig gehen die Verantwortlichen nun bei der Festlegung neuer Renditeziele vor. Beobachter rechnen damit, dass die Diskussion noch Wochen oder sogar Monate andauern könnte. Zu konkreten Zahlen äußert sich die Bank bislang nicht.
