Deutsche Bank im Millionenstreit um „Santorini“
Ex-Mitarbeiter fordert 152 Millionen und belastet Vorstandschef Sewing mit brisanten Vorwürfen

„Santorini“ – dieser Name steht für die Deutsche Bank nicht für Urlaubsidylle, sondern für einen juristischen Dauerbrenner. Ein ehemaliger Mitarbeiter verklagt das Geldhaus auf 152 Millionen Euro. Hintergrund ist eine Finanztransaktion aus der Zeit der Finanzkrise 2008, die intern den Codenamen „Santorini“ trug und bei der die Deutsche Bank der italienischen Monte dei Paschi geholfen haben soll, ihre Bilanz zu verschönern. Der Kläger, Dario Schiraldi, wirft seinem früheren Arbeitgeber vor, durch den internen Untersuchungsbericht zur Aufarbeitung des Deals maßgeblich zu seinem juristischen und beruflichen „Martyrium“ beigetragen zu haben.
Der Bericht, für den damals der heutige Vorstandschef Christian Sewing verantwortlich war, entstand 2014 in der Konzernrevision. Laut Darstellung des Klägers habe er der Bank ermöglicht, die Transaktion für sie vorteilhaft als Derivat statt als Kredit zu bilanzieren, wodurch zusätzliche Eigenkapitalreserven vermieden worden seien. Gleichzeitig habe der Bericht den beteiligten Investmentbankern nahegelegt, wesentliche Informationen bewusst zurückgehalten zu haben. Die Deutsche Bank weist dies zurück und betont, der Report habe keine Absicht und kein kriminelles Fehlverhalten unterstellt, wohl aber erhebliche Versäumnisse festgestellt.
Die italienische Justiz griff den Untersuchungsbericht auf und führte ein Strafverfahren gegen mehrere Banker, darunter Schiraldi. 2019 kam es zu Verurteilungen wegen Bilanzmanipulation, doch in der Berufung 2022 wurden alle Beschuldigten freigesprochen. Italiens oberstes Gericht bestätigte dies 2023. Die Richter kritisierten jedoch den Sewing-Bericht scharf und sahen in ihm einen Vorwand, um Transaktionen anders zu bilanzieren und Konflikte mit der US-Notenbank Fed zu vermeiden.
Die Deutsche Bank entgegnet, die Umklassifizierung der Geschäfte sei nicht wegen US-Aufsehern erfolgt, sondern aufgrund von Fragen italienischer Behörden im Jahr 2013. Erst dadurch habe man Details zum Einsatz von Anleihen erkannt. Diese Informationen seien relevanten Abteilungen zuvor nicht bekannt gewesen. Zudem habe es auch bei vergleichbaren Geschäften unzureichende Offenlegung gegeben.
Schiraldi, der heute in Dubai lebt und früher Teil der als „Anshus Army“ bekannten Bankergruppe um den damaligen Investmentbank-Chef Anshu Jain war, fordert nun Ersatz für angebliche Verdienstausfälle. Beobachter halten es für möglich, dass weitere Ex-Banker ähnliche Klagen einreichen könnten. Die Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt ist für Dezember angesetzt. Ob dabei neue Einblicke in den nicht veröffentlichten Sewing-Bericht ans Licht kommen, bleibt abzuwarten.
