Deutsche Bank: Geldwäsche-Razzia überschattet Rekordgewinn von 6,1 Milliarden Euro
Trotz bester Zahlen seit fast zwei Jahrzehnten ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Altlasten aus den Jahren 2013 bis 2018.

Die Deutsche Bank hat 2025 einen Nettogewinn von 6,1 Milliarden Euro erzielt und damit das beste Ergebnis seit fast zwanzig Jahren eingefahren. Im Vergleich zum Vorjahr, als nur 2,7 Milliarden Euro zu Buche standen, bedeutet dies mehr als eine Verdopplung. Vorstandschef Christian Sewing zeigte sich bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt sichtlich zufrieden: "Wir haben 2025 alle angestrebten Meilensteine erreicht oder übertroffen."
Das Kreditinstitut steigerte seinen Umsatz auf 32 Milliarden Euro, wobei das Investmentbanking weiterhin die stärkste Säule blieb. Besonders im Geschäft mit Anleihen und Währungen bewies die Bank ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig drückte das Management die Kosten durch Stellenabbau und Filialschließungen. Die Aktionäre sollen am Erfolg partizipieren: Für 2025 schlägt der Vorstand eine Dividende von einem Euro je Aktie vor, deutlich über den 68 Cent des Vorjahres.
Staatsanwaltschaft durchsucht Bankgebäude
Doch die Erfolgsmeldungen wurden von einer Hiobsbotschaft überschattet. Am Tag vor der Pressekonferenz durchsuchte das Bundeskriminalamt die Konzernzentrale in Frankfurt sowie ein weiteres Gebäude in Berlin. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen aus den Jahren 2013 bis 2018. Ausgangspunkt ist eine vorgeblich zu spät abgegebene Geldwäscheverdachtsanzeige.
Laut Staatsanwalt Dominik Mies unterhielt die Deutsche Bank damals Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Gesellschaften, die selbst im Verdacht stehen, für Geldwäsche genutzt worden zu sein. Die Ermittlungen richten sich gegen Verantwortliche und Mitarbeiter der Bank, wobei unklar bleibt, ob diese noch beschäftigt sind. Aus Finanzkreisen verlautet, es gebe einen Zusammenhang mit einem russischen Oligarchen, der mittlerweile auf der EU-Sanktionsliste steht.
Sewing wich zu Beginn seiner Rede vom vorbereiteten Text ab und ging kurz auf die Ermittlungen ein, lehnte jedoch weitere Kommentare ab. Zu möglichen Rechtsstreitigkeiten und Kosten äußerte sich der scheidende Finanzvorstand James von Moltke vorsichtig optimistisch: Die Belastungen würden wohl nicht so dramatisch ausfallen wie in früheren Jahren.
Altlasten belasten das Image
Für die Deutsche Bank sind Geldwäsche-Vorwürfe kein Neuland. Bereits 2018 gab es Razzien wegen ähnlicher Verdachtsmomente. Die Finanzaufsicht BaFin war mit den internen Kontrollen unzufrieden und setzte zeitweise einen Sonderbeauftragten ein. Die aktuellen Ermittlungen zeigen, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit noch nicht abgeschlossen ist.
Parallel zum juristischen Ärger setzt die Bank ihren Sparkurs fort. Von den 750 Standorten, die Deutsche Bank und Postbank gemeinsam betreiben, sollen bis Jahresende weitere 100 schließen. Diesen Monat traf es eine Filiale in Oberursel – betroffene Kunden müssen nun nach Bad Homburg ausweichen, was für Unmut sorgt. Kundin Martina Ahrendt beklagt die beschwerliche Busreise zur nächsten Beratung.
Digitalisierung statt Filialgeschäft
Florian Heider, wissenschaftlicher Direktor am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung Safe, sieht den Trend zu weniger Filialen als unaufhaltsam. Die Digitalisierung ermögliche zwar rentablere Kundenkontakte, doch gerade bei komplexen Entscheidungen bleibe persönliche Beratung wichtig. Die Deutsche Bank setzt verstärkt auf Künstliche Intelligenz und einen digitalen Bank-Assistenten für einfache Kundenanfragen.
Angesichts zahlreicher IT-Pannen in den vergangenen Jahren, besonders bei der Postbank, begegnen viele Kunden dieser Strategie mit Skepsis. Ob die Bank ihre technologische Transformation erfolgreicher gestalten kann als die juristische Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, bleibt abzuwarten. Für Anleger steht fest: Trotz Rekordgewinn bleibt die Deutsche Bank ein Investment mit Risiken aus der Vergangenheit.
